Wien. Den Ausspruch "Dafür bin ich nicht zuständig" soll es im Fall des AKHs in Zukunft seltener geben. Denn Bund, Länder, das AKH und die Medizinische Universität Wien (MedUni Wien) haben am Mittwoch umfassende Vereinbarungen miteinander getroffen, die Finanzen, Bautätigkeiten und Leistungen neu regeln. Finanzminister Hans Jörg Schelling präsentierte das Ergebnis des seit 2011 laufenden Reformprozesses im Rektoratssaal der MedUni Wien und strich vor allem die künftig bessere Planungssicherheit hervor sowie die Klärung von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, die bisher verworren waren.

Das AKH litt aufgrund seiner Doppelfunktion als Universitätsklinik und Gemeindespital unter undurchsichtigen Kompetenzen. Die Ärzte unterstanden als Angestellte der MedUni dem Bund, während für das restliche Personal die Stadt Wien zuständig war. Künftig wird die Geschäftsleitung von je einem Vertreter der MedUni Wien und einem des AKH besetzt werden und für das operative Geschäft zuständig sein. Ihr gegenüber steht ein Aufsichtsrat, bestehend aus je zwei Vertretern der Stadt und der MedUni - beide Rechtsträger des AKH.

Rege Bautätigkeit

Bis 2030 wollen Bund und Gemeinde 2,2 Milliarden Euro in das AKH investieren, wobei die Stadt Wien 60 Prozent der Kosten trägt. Allein 1,4 Milliarden Euro sind für Bau- und Infrastrukturprojekte geplant. Eines davon sei der "MedUni Wien Campus AKH" der am Spitalsgelände entstehen soll, erklärte Markus Müller, der Direktor der MedUni. Dieser werde drei Gebäude umfassen: ein Zentrum für translationale Medizin, eines für Technologie und eines für personalisierte Medizin. Am Zentrum für translationale Medizin (diese beschäftigt sich unter anderem damit, Forschungsergebnisse für die Praxis nutzbar zu machen), das derzeit mit 100 Millionen Euro budgetiert ist, sollen Grundlagenforschung sowie die Umsetzung neuer Präventions- und Therapieansätze gefördert werden. Die beiden anderen Gebäude sollen mittels Private Public Partnerships finanziert werden. Dies bedeutet, dass sich Firmen am Standort ansiedeln, die die Baukosten teilweise oder ganz übernehmen und die Gebäude dann an das AKH verpachten oder vermieten.

Ebenfalls wurde zwischen Bund und Stadt die Regelung des laufenden klinischen Mehraufwands für das AKH vereinbart. Diese soll die Mehrkosten, die dem AKH als Universitätsklinik für Forschung und Lehre entstehen, abgelten und ist seit den 1950er Jahren immer wieder Streitpunkt. Nun einigte man sich auf eine fixe jährliche Zahlung des Bundes an die Stadt Wien in Höhe von 40 Millionen Euro, spätestens 2024 wird neu verhandelt.