Die 1887 eröffnete Dampftramway auf dem Wolfrathplatz und das Gasthaus Rainer in der Auhofstraße, wo sich heute die St. Veit Apotheke befindet. - © Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Bezirksmuseum Hietzing
Die 1887 eröffnete Dampftramway auf dem Wolfrathplatz und das Gasthaus Rainer in der Auhofstraße, wo sich heute die St. Veit Apotheke befindet. - © Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Bezirksmuseum Hietzing

Wien. 1890/91 wurden 40 Vorortgemeinden der Großstadt Wien eingemeindet, darunter auch Ober und Unter St. Veit, die sich 1867 voneinander getrennt hatten. Wie es in den Jahrzehnten vor der Eingemeindung in solchen Dörfern an der Peripherie zuging, schildert das neue Buch "Von Bürgermeistern und Affären - Die Wiener Vorortegemeinden Ober und Unter St. Veit 1848-1891".

Der Autor Gebhard Klötzl kennt viele Werke zur Geschichte von Wiener Außenbezirken und hält in aller Bescheidenheit seines für das gründlichste zu dieser Thematik. Er hat es mit einem Jusstudium - er ist hauptberuflich Rechtsanwalt - und einem Geschichtestudium zu zwei Doktoraten gebracht.

Wie kam es, dass Klötzl mit großer Akribie umfangreiches Material, insbesondere 40 Kartons mit Akten zu Ober und Unter St. Veit im 19. Jahrhundert im Wiener Stadt- und Landesarchiv, durchforstete und daraus ein so einzigartiges Werk machte? "Bereits als Ministrant", sagt der Ober St. Veiter, "bekam ich Interesse an der Baugeschichte der Kirche." Als er später ins Baukomitee zur Renovierung des pfarrlichen "Vitushauses" berufen wurde, begann seine Vertrautheit mit Archivarbeit.

Außerdem ist Klötzl familiär belastet. Sein Großvater, der Historiker und Archivdirektor Josef Kraft, nach dem in Ober St. Veit ein Weg benannt ist, hatte eine Geschichte von Ober St. Veit begonnen, war damit aber nur bis etwa 1820 gekommen. An diesen 1952 veröffentlichten Text schließt Gebhard Klötzl an, der viele Jahre nebenberuflich an seinem Buch gearbeitet hat: "Mich hat überrascht, wie viel Material es für diese Zeit gibt. Ich dachte, das lasse sich viel schneller erledigen."

Klötzl hat sich intensiv mit der damaligen Art der Gemeindeverwaltung - von der Kanalisierung bis zur Armenfürsorge - und mit der Rolle des Bürgermeisters befasst. Er weist auch auf originelle Details hin - etwa eine bei Ober St. Veit verbleibende "Enklave" an der Lainzer Straße, als Unter St. Veit die Trennung von Ober St. Veit betrieb.

Die Volkszählungen der Jahre 1869 und 1880 zeigen laut Klötzl eine sehr heterogene Bevölkerung, die sich für ganz St. Veit zwischen 1857 und 1890 von 2715 auf 5914 Bewohner mehr als verdoppelte: "Etwa die Hälfte war in der Landwirtschaft tätig, im Wiental lebten etliche Fabrikarbeiter, außerdem gab es viele Kleinstgewerbetreibende und an den Berghängen Sommerhäuser der besseren Herrschaften."