Wien. (iw/apa) Jetzt sind sie doch da, eigene Klassen für Flüchtlinge. Dagegen hatten sich SPÖ und Grüne lange gewehrt. Kinder mit Migrationshintergrund sollten auf keinen Fall in Ghetto-Klassen landen, sondern von Beginn an integriert werden. Doch die Stadt Wien sieht keinen anderen Ausweg mehr und hat nun - gegen ihre Ideologie - die heiße Kartoffel angegriffen.

Mitte Dezember des vorigen Jahres wurde die erste Flüchtlingsklasse in Wien eröffnet. Weitere neun folgten. Insgesamt wurden bis dato neun Mittelschulklassen und eine Volksschulklasse geschaffen. 16 bis 18 Flüchtlinge pro Klasse sind es derzeit; maximal dürfen 25 Kinder in einer Klasse sein.

Das sei "keine neue Politik", verteidigte sich Wiens Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky (SPÖ) gestern, Montag die Maßnahme. Mit der "pragmatischen Lösung" wolle man vermeiden, bestehende Klassen zu trennen. Denn beim 26. Kind muss eine neue Klasse eröffnet werden. Als Dauerlösung seien die Flüchtlingsklassen aber nicht gedacht, so Czernohorszky. Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erklärte, dass es sich hier um eine "Übergangslösung" handle. Einen Kurswechsel im Umgang mit Flüchtlingskindern gebe es nicht. Für die Grünen ist dieser Schritt nicht ganz so leicht: Für Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, ist die Einrichtung von Flüchtlingsklassen in Wien "als Einstiegsmaßnahme unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll". Es müsse jedoch klar sein, "dass diese Klassen nicht als Notlösung zu führen sind, sondern mit einem Konzept, das die Kinder auf den möglichst raschen Übertritt in die Regelklassen optimal vorbereitet".

In Wien verfolge man den Anspruch, hieß es, alle ankommenden Flüchtlingskinder möglichst unmittelbar an Schulen zu integrieren. Andere Bundesländer würden öfters warten, "bis der Aufenthalt verfestigt ist", so Czernohorszky. Wenn im Herbst die Klassen gebildet werden, könne man die Flüchtlingskinder aufteilen. Nachdem aber der Zuzug weitergehe und er nicht wolle, dass bestehende Klassen aufgrund einer Überschreitung der Schülerhöchstzahlen getrennt werden müssen, "schaffen wir vorbereitend für die Schullaufbahn danach diese Klassen". Die Kinder sollen aber nicht diese "vorbereitenden Klassen" weiter besuchen.

Flüchtlingsstrom bringt Flüchtlingsklassen