Wien. Die Smart City ist in aller Munde. Sie wird uns auf Prospekten und in Werbeslogans als der perfekte urbane Lebensraum verkauft. Effizienter, nachhaltiger, sozialer und natürlich grüner sollen unsere Städte künftig werden. All diese Versprechungen verstecken sich hinter dem schwammigen Begriff der Smart City. Eingelöst sollen sie durch die Nutzung digitaler Medien und neuer Kommunikationstechnologien werden.

In der Stadt Songdo in Südkorea werden die Bewohner permanent überwacht. - © Corbis/Topic Photo Agency
In der Stadt Songdo in Südkorea werden die Bewohner permanent überwacht. - © Corbis/Topic Photo Agency

Auch die Stadt Wien entwickelt ehrgeizige Smart-City-Strategien. Und auf den ersten Blick erscheinen diese Konzepte tatsächlich wie die Heilsbringer der Zukunft. Doch in den smarten Planungsvisionen unserer Städte verstecken sich auch große Gefahren. Dies wurde bei der Arbeiterkammer-Wien-Veranstaltung "Wien wächst - Smart City" überdeutlich.

Denn Smart City bedeutet auch smart Business. Die Idee der Smart City hat ihren Ursprung nicht in der Stadtplanung oder gar in der Soziologie, sondern vielmehr in der Technologiebranche. "Das bloße installieren von Informationstechnologie-Systemen wird meinem Bild einer Stadt nicht gerecht", sagte die US-amerikanische Soziologin Saskia Sassen, die von der Arbeiterkammer als Keynote-Speakerin eingeladen wurde. Doch genau darauf würden die derzeitigen Smart-City-Strategien setzen, betonte auch Elke Rauth, Mitherausgeberin des Magazins "dérive - Zeitschrift für Stadtforschung" und Leiterin des "urbanize!" - einem internationalen Festival für urbane Erkundungen. Der Einfluss internationaler Unternehmen auf die Städte würde immer stärker wachsen. "Sehr große Konzerne haben die Städte als neue Geschäftsfelder entdeckt", sagte Rauth. Es seien in erster Linie Kommunikationstechnologiekonzerne aber auch Energiekonzerne oder die Automobilindustrie die auf den Zug aufspringen würden.

"Zu den Global Player im Smart-City-Business gehören allen voran die IBM und Cisco. Aber auch Microsoft, Siemens und Google setzten neuerdings auf die Smart City", sagte Thomas Riesenecker-Caba, Autor der Studie "Smart City, eine technologische Einschätzung". Kein Wunder, stecken laut Rauth bis zum Jahr 2020 1,5 Billionen Dollar im Geschäft mit Smart-City-Produkten. Das Interesse der Firmen habe den Begriff in den vergangenen Jahren auch so präsent gemacht. "Sie betreiben Lobbying-Arbeit, organisieren Konferenzen zum Thema und finanzieren die Forschung an den Universitäten durch Drittmittel", so Rauth.

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