Im "Repair-Café" werden besonders oft Hauhaltsgeräte wieder funktionstüchtig gemacht. - © Margot Landl
Im "Repair-Café" werden besonders oft Hauhaltsgeräte wieder funktionstüchtig gemacht. - © Margot Landl

Wien. Ein kaputter Mixer; Omas Kochbuch aus den Siebzigern, das viel zu viel Platz im Bücherregal raubt; ein Zucchino, der noch verlassen im Kühlschrank liegt, am Morgen, bevor es in den Urlaub geht: Was passiert mit diesen Dingen? Man weiß nicht, wohin damit. Also wirft man sie weg. Hier will die Agendagruppe "Tauschen - Teilen - Reparieren" im 3. Bezirk Abhilfe schaffen. Sie ist eine Initiative der Lokalen Agenda 21, einem Handlungsprogramm, das einzelne Regionen in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln soll. Vorbild dafür ist ein Programm der UNO nach dem Motto: "Global denken - lokal handeln".

In Wien haben die Bezirke Landstraße, Wieden, Josefstadt, Alsergrund, Favoriten, Donaustadt und Liesing ihre eigene Agenda, aus der sich wiederum Initiativen zu verschiedenen Themen bilden.

Die Bücherzelle


Begonnen hat es mit dem offenen Bücherschrank. Oder genauer gesagt, den offenen Bücherschränken, die in einer Ecke in der Eingangshalle der VHS Landstraße auf Kundschaft warten. Aus einem Ikea Billy-Regal wurden nämlich vier, was zeigt, wie gut die Idee in der Öffentlichkeit angenommen wird. Es gibt ein Fach für Reiseführer, eins für englischsprachige Literatur, eins für Kinderbücher. Neben zerfledderten Rosamund-Pilcher-Romanen steht eine fast neuwertige Ausgabe von Dan Browns "Sakrileg". Taschenbücher reihen sich an Hardcover, große Bildbände an kleinformatige Gedichtbändchen. "Alles wird aufgenommen, außer Bücher, die den Jugendschutz verletzen", erklärt der Hauswart der Volkshochschule. "Sonst sortiere ich nur ein bisschen und achte darauf, dass die Regale sauber sind."

Der offene Bücherschrank ist mittlerweile ein etabliertes Konzept, das unter dem Namen Bücherbox, Austauschbücherei oder Straßenbibliothek in vielen mitteleuropäischen Städten auf den Straßen oder in öffentlichen Gebäuden anzutreffen ist. Bücher können hineingestellt und herausgenommen werden, anonym, kostenlos und völlig unbürokratisch. Eine kleine öffentliche Bibliothek also, in der ausgemistete Bücher eine zweite Chance bekommen.

Der "Fair-Teiler"


Seit Anfang des Jahres hat der Bücherschrank in der VHS Landstraße einen Nachbarn mit ebenfalls ständig variierendem Inhalt: einen "Fair-Teiler" oder auch "Grätzl-Kühlschrank". Dieser funktioniert nach dem gleichen Konzept wie die Bücherzelle: Wenn jemand etwas braucht, nimmt er es sich heraus. Wenn jemand etwas nicht mehr braucht, stellt er es hinein und macht es so anderen Leuten zugänglich. Allerdings sind die Regeln hier etwas strenger als bei der Bücherzelle: Der Fokus liegt auf unverarbeiteten Nahrungsmitteln und die Produkte dürfen in keiner Weise verdorben sein. Einige Nahrungsmittel wie Schweinemett oder selbst gemachte Cremes mit frischen Eiern sind im Kühlschrank generell unerwünscht, da sie sehr schnell Risiken für die Gesundheit entwickeln können. Deshalb muss er auch viel strenger kontrolliert werden als der Bücherschrank.