Ein Banken-Drive-in in der Votivpark-Garage. - © Wipark
Ein Banken-Drive-in in der Votivpark-Garage. - © Wipark

Wien. Am 16. März erweitert die Votivpark-Garage am Schottentor ihre Funktion und wird zu einem Ort öffentlicher Kunst. Temporäre Installationen und Performances von Studierenden der Universität für Angewandte Kunst Wien setzen sich mit den Besonderheiten der 1960er Architektur der Votivpark-Garage auseinander. Das Kunstprojekt knüpft dabei an die bereits umgesetzte künstlerische und permanente Umgestaltung der Garage Freyung im ersten Bezirk an.

"Bei allem Verständnis für die Freude am motorisierten Verkehr müssen wir doch sagen, dass wir nicht die Absicht haben, unsere Stadt autogerecht zu machen. Mir schwebt als Ideal vor, Wien als eine menschengerechte Stadt zu haben", soll der von 1951 bis 1965 amtierende Wiener Bürgermeister Franz Jonas einmal gesagt haben. Seine Verkehrspolitik stellte Straßenbahnen und ausreichend Platz für Fußgänger in den Mittelpunkt. Und doch fiel die Inbetriebnahme der Votivpark-Garage 1962 in seine Amtszeit. Es war die erste öffentliche Tiefgarage Wiens. Als solche verknüpfte sie die Verherrlichung des Automobils mit Dekadenz und Luxus.

Ein kleines Stück "American Dream" wurde zum Schottentor geholt: Drive-in-Bankschalter, eine Service-Werkstätte mit Reifendienst, Waschstraßen, eine Polierstation, ein Theaterkartenbüro, und ein Restaurant mit 60er-Einrichtung - inklusive schicker Cocktail-Bar - wurden in den Untergrund geholt. "Hostessen" auf Rollschuhen halfen der Klientel bei der Parkplatzsuche.

Errichtet und betrieben wurde die Garage von dem nahe gelegenen "Creditanstalt Bankverein", der ein Drittel der 600 Parkplätze für sich selbst reservierte. Das spiegelt sich unter anderem in einer elitären Klientel wider, welche bis zur Prominenz reichte: So sollen auch Peter Alexander, Hans Krankl und Peter Rapp ihre Luxusschlitten in der Votivpark-Garage abgestellt haben.

"Das Draußen gibt es nicht"


Wie sich die Rolle des Automobils bis heute verändert hat und welchen Wandel Mobilitätskonzepte im Laufe der Zeit durchliefen, waren zwei der Anknüpfungspunkte, mit denen sich die Studierenden der Angewandten unter Leitung von Kuratorin Barbara Holub auseinandergesetzt haben.

Elemente aus den 1960er Jahren wurden reanimiert und neu kontextualisiert, wie zum Beispiel bei der Installation "We Park We Write" von Sarina Scheidegger. Sie nutzt den ehemaligen Drive-in-Bankschalter als kollektives Schreibrefugium. Verschiedene Künstler und Autoren saßen dafür bis zu acht Stunden im Kassenhäuschen, ließen sich von der Umgebung inspirieren und brachten ihre Wahrnehmungen und Gedanken als "Stadtschreiber" zu Papier. Die Textfragmente versammelt Scheidegger in einer Publikation, die künftig am Kassenhäuschen zur freien Entnahme aufliegen wird.