Frauenparkplatz-Kunst


Hervorragende bis skurril-absurde Garagen-Literatur gab es schon, bevor sich Studierende künstlerisch der Votivpark-Garage widmeten. So war die Garage auch Vorreiter in Sachen Frauenparkplätze. Als etwas österreichweit Neuartiges waren Streitigkeiten vorprogrammiert. Von den einen hieß es: "Wieso braucht es überhaupt Frauenparkplätze?", "Wieso steht da schon wieder ein Mann?", fragten sich die anderen. Die Lösung? Garagen-Literatur: Bis heute zieren Sprüche wie "Der Herr, den ich am höchsten schätze, der lässt den Damen ihre Plätze" oder "Der Mann von Welt den Damenparkplatz nicht verstellt" die Hinweisschilder.

"Großartig", fasst Holub die Frauenparkplatz-Kunst aus den späten 80ern in einem Wort zusammen. Und fügt hinzu: "Wir haben keine Notwendigkeit gesehen, die Frauenparkplätze dort zusätzlich zu thematisieren." Notwendiger war dies im Vorgängerprojekt in der Garage Freyung. Die Künstlerin Linda Bilda schuf dort ein Leitsystem, welches die gesamte Topografie der Garage unter dem Motto "Kathedrale der Moderne" schneller erfassbar und eben auch die Frauenparkplätze sichtbarer machen sollte. Waren diese davor durch andere Informationen und Hinweise überlagert, machen die schlichten Wandmalereien von Linda Bilda schnell deutlich, dass es sich um Frauenparkplätze handelt.

Berührungsängste nehmen


Für Barbara Holub waren die Projekte in den zwei Wipark-Garagen eine neue Erfahrung. Während Kunst im öffentlichen Raum schon lange ihr Metier ist, ist sie gleichzeitig "niemand, der sich vordergründig mit Mobilität oder Autos beschäftigt". Und vor allem nicht mit Garagen, die für sie eher mit Ängsten behaftet sind bzw. waren: "Ich bin eigentlich die beste Kundin des Projektes, weil ich mich davor fürchtete in Garagen zu fahren. Ich habe Angst davor, das Auto nicht mehr zu finden. Ich habe Angst vor dunklen Räumen."

Minderte das Projekt "KunstRaumGarage" Holubs Berührungsängste vor Garagen, kommen umgekehrt die Kunden der Tiefparkgarage durch das Projekt vielleicht das erste Mal mit Kunst in Berührung. Das sei auch eines der Ziele - nicht nur dieser Projekte, erzählt Holub: "Eine wesentliche Aufgabe von Kunst im öffentlichen Raum ist, dass viele Menschen, die sonst mit Kunst nichts zu tun haben, auf einmal mit Kunst konfrontiert werden. Vielleicht nehmen sie auf den ersten Blick nicht einmal wahr, dass es Kunst ist. Auf einmal sehen sie aber, dass durch Zeichnungen, durch Sound-Installationen andere Kontexte in die Garage geholt werden." Und wenn es nicht die Kunden sind, freuen sich zumindest die Angestellten, so Holub: "In Gesprächen mit den Portieren der Garage Freyung kam heraus, dass sie sich dafür interessieren. Sie freuen sich über ihren Alltag hinaus mit etwas anderem konfrontiert zu sein."