Wien. Lautlos springt die Katze vom Sofa. Geduckt schleicht sie auf die Matratze am Boden zu. Unter der Decke bewegt sich etwas! Vorsichtig lauernd beäugt sie das Geschehen, spitzt die Ohren, verharrt mitten in der Bewegung. Da hebt sich die Decke und die Schauspieler Kroot Juurak und Alex Bailey kriechen langsam auf allen vieren hervor. In Katzenmanier bewegen sie sich durch den Raum, reiben ihren Kopf am anderen, treten mit den "Pfoten", unter steter Beobachtung der Katze des Hauses.

Seit 2014 beschäftigen sich die beiden Darsteller mit Kunstprojekten über und für Haustiere. Die "Performances for pets" entstanden unter anderem als Folge von "Animal Show" und "Autodomestication", das immaterielle Arbeit und Arbeitsbedingungen von Haustieren zum Inhalt hat. Die Idee der Künstler ist es, den oft unterbeschäftigten Haustieren Respekt zu zollen und ihnen für ihre Unterhaltungsarbeit, die sie täglich für den Menschen leisten, etwas zurückzugeben. In Zusammenarbeit mit dem brut-Theater am Karlsplatz präsentieren sie ihre Arbeit nun auch in Wien.

"Wir fühlen uns mit den Tieren sehr verbunden, weil sie uns Künstlern in mancherlei Hinsicht ähnlich sind", sagt die Estin Juurak. "Jeder Tierbesitzer hat einen Hauskünstler daheim. Sie sind Darsteller wie wir und verdienen sich ihr Dasein damit, die Menschen zu unterhalten, was aber meist nicht als echte Arbeit anerkannt wird. Wir müssen Haustiere als gleichberechtigt betrachten und ihre Arbeit als so wertvoll anerkennen wie unsere eigene."

Die "Theaterstücke für Haustiere" sind vor allem auf Hunde und Katzen ausgerichtet, die Performer sind aber auch offen für andere Tiere. In der Regel finden die Darbietungen in der Wohnung der Besitzer und damit in der gewohnten Umgebung der Tiere, statt. Nach einem Vorgespräch kommen die Künstler ins Haus, um dort 15 bis 25 Minuten Unterhaltung für die Tiere zu bieten - ob Bernhardiner, Mops oder Maine Coon.

Menschliche Zuschauer dürfen den Performances beiwohnen, "sie sind aber nicht für die Besitzer, sondern für die Tiere konzipiert", betont der Brite Alex Bailey. "Es macht keinen Sinn, wenn die Besitzer nur die Performance sehen wollen. Sie sollten in erster Linie Interesse haben, zu sehen, wie ihr Hund oder ihre Katze reagiert."

Für das "Mitmachtheater" für Haustiere haben sich die beiden Darsteller eingehend mit Verhalten, Bedürfnissen, Humor und Körpersprache von Hund und Katze beschäftigt. Für die beiden Tierarten gibt es auch ein jeweils unterschiedliches Programm. In ihren Darbietungen schlüpfen Juurak und Bailey in die Rolle der Tiere, übernehmen deren Gewohnheiten, versuchen, so zu fühlen, zu agieren und zu reagieren wie ihr Publikum: Sie knurren, bellen, schnüffeln und gehen auf allen vieren, räkeln sich genüsslich, legen sich auf den Rücken und wälzen sich auf dem Boden, ganz ohne den Einsatz menschlicher Sprache.