Wien. "Oft kommt man durch einen Zufall drauf, was diese Stadt eigentlich so alles zu bieten hat. Wir wollten einfach nur von der Mariahilfer Straße die Abkürzung zur Wienzeile über den Raimundhof nehmen und sind dann bei strahlendem Sonnenschein durch die Stiegengasse flaniert und haben ein Stück Orient entdeckt", sagt Helene Angerer. Der 24 jährigen Medizinstudentin und ihrem Freund erging es wie vielen, die das Geschäft "L’Orient" nicht kannten.

Orangenblüten und Rosenknospen


Kleine arabische Teekannen, Hammam-Zubehör, orientalische Gewürze und Öle reihen sich neben Tüchern und Kissen. Es duftet nach Orangenblüten und Rosenknospen. Eine Teekanne kostet zwischen 25 und 45 Euro, eine Mosaiktasche gibt es ab 220 Euro. Besonders ins Augenmerk fallen die vielen Produkte mit Arganöl. Das Produkt, das auch "das Gold Marokkos" genannt wird, enthält Delta-7-Stigmasterole. Der hohe Vitamin E-Wert ist dafür bekannt, die Haut zu verjüngen und hilft auch jeder Altersklasse bei trockener Haut. Nach einem Rundgang durch das Geschäft wird also schnell klar: Wer einen herkömmlichen Einzelhändler erwartet, wird enttäuscht. Wer hierher kommt, sollte Zeit und Freude am Genuss des Orients haben.

Helene und ihr Freund haben sich bereits ausgiebig umgesehen und sich für kleine Teetassen im marokkanischen Stil entschieden. Bedient werden sie von Marietta Wanner. Die 41-Jährige lächelt, wenn sie von ihrer Geschäftsidee spricht. "Seit Oktober 2013 versuchen sich mein Mann und ich als Botschafter des Orients. Er ist Marokkaner und ich bin Österreicherin. Als halbmarokkanisches Pärchen leben wir diese beiden Kulturen und wollten das auch in Wien publik machen", erzählt Wanner.

Rund je 50 Menschen kommen täglich in ihre beiden Filialen. Ihren Store sieht sie als Ort der Begegnung. Hier wird nicht nur verkauft, sondern Kultur vermittelt. Immer wieder erklärt sie, dass es wichtig sei, dass Keramik und Metallarbeiten alle aus der eigenen Produktion kommen. Diese Produktionsstätte in Marokko werde mit Sorgfalt betrieben. "Und das ist sehr aufwendig, weil man immer wieder hinfahren und den Handwerkern genaue Anweisungen geben muss. Danach muss man ihre Arbeit überwachen", erklärt Wanner, die die Filiale in Mariahilf seit 2013 leitet. Ihr Mann sorgt sich um das zweite Geschäft in der Leopoldstadt, das es seit November 2014 gibt. Schon vor diesen beiden Geschäften betrieben Mustapha Khattat (34) und seine Frau ein Interieur-Geschäft in der Gumpendorfer Straße.