Wien. Ob die Schanigärten in Wien künftig auch im Winter betrieben werden dürfen, ist noch nicht entschieden. Verfechter einer Ganzjahresöffnung müssen sich nun aber warm anziehen: Denn die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Stadt sehen diese Variante nicht als Favoriten. Stattdessen wird mehrheitlich für eine abgespeckte Form der Open-Air-Gastronomie plädiert.

Wie das Büro der zuständigen Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Mittwoch berichtete, liegen nun Ergebnisse der kürzlich gestarteten Schanigartenbefragung vor. Die Beteiligung, so hieß es, sei sehr umfassend gewesen. So hätten alle Bezirke eine Antwort geschickt beziehungsweise angekündigt, dies noch zu tun. Auch die betroffenen Fachgruppen der Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer beziehungsweise andere relevante Dienststellen und stadtnahe Unternehmen wie die Wiener Linien und dem Wien-Tourismus äußerten sich.

Von den Bezirken, die für eine konkrete Variante votierten, entschied sich die Mehrheit (sechs Nennungen, Anm.) für Stehtische im Winter - knapp gefolgt von der ganzjährigen Öffnungserlaubnis für "normale" Schanigärten mit fünf Vertretern. Auch die diversen stadtnahen Player bevorzugen im Winter mehrheitlich die Stehpartie, gefolgt von Tischen an der Hausmauer. Ganzjahresschanigärten landeten mit der ebenfalls zur Auswahl stehenden Ausdehnung der Saison auf Februar hier nur auf den hinteren Plätzen.

Lediglich die Wirtschaftskammer sprach sich klar für eine Aufhebung der jahreszeitlichen Beschränkung aus. Was nicht überrascht, sind doch die Wiener Gastronomen gemäß einer Kammerbefragung mehrheitlich für einen Winterbetrieb. Ablehnend hat sich hier zuletzt wiederum die Arbeiterkammer gezeigt - die eine "Saisonpause" für Anrainer forderte.

Im Fragebogen konnten priorisierte Varianten angekreuzt werden - wobei sich nicht alle Teilnehmer für eine solche entschieden. Mitunter wurde auch ausführlicher dargelegt, wie die Wiener Gastgarten-Zukunft aussehen sollte. So hat etwa der erste Bezirk in einem ausführlichen Brief für kleine Tische entlang der Hausmauer argumentiert.

City-ÖVP versus Landespartei


Das heißt, in Sachen Winter-Schanigärten ist man im ersten Bezirk gegen alle von der Stadt vorgeschlagenen Optionen. Das hat ein Sprecher von Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) bekräftigt. Kleine Tische am Gehsteig, die am Abend wieder weggeräumt werden müssen, könnten aber zumindest "Teil einer bezirksspezifischen Lösung" sein, hieß es.

Die City kann sich dies laut eigenen Angaben als generelle Schanigarten-Variante vorstellen. Die Skepsis an der winterlichen Aufsperr-Erlaubnis bleibt aber aufrecht, wie betonte wurde - so wird auch die in den von der Stadt abgefragten Varianten vorgesehene Möglichkeit, Außenheizungen anzubringen, kritisiert.

Nicht so von der Wiener ÖVP-Spitze: "Im Sinne der unternehmerischen Freiheit sprechen wir uns für eine Liberalisierung der Schanigärten-Regelung im Rahmen einer Winteröffnung aus. Diese ist in einer Weltstadt unumgänglich", erklärte Landesparteiobmann Gernot Blümel. Eine Beheizung sei dabei absolut zulässig und zu ermöglichen, wiewohl möglichst umweltschonende Alternativen zu favorisieren sind. Neue Abgaben und Gebühren seien aber abzulehnen, hieß es.

Die nun gesammelten Meinungen sind laut Rathaus Grundlage für die Diskussion beim angekündigten Runden Tisch. Dieser wurde für den 19. Mai angesetzt. Bis Sommer soll dann ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet werden. Der Beschluss ist für Ende September anvisiert.

Anrainer versus Gastronomie


Finanzstadträtin Renate Brauner zeigte sich über die "zahlreichen ausführlichen und konstruktiven Rückmeldungen" erfreut: "Das zeigt aus unserer Sicht, dass grundsätzlich alle Beteiligten darum bemüht sind, eine gemeinsame Lösung bei der seit vielen Jahren diskutierten Winteröffnungsfrage zu finden", befand sie.

Das Ergebnis zeige aber auch weiter den Interessenskonflikt zwischen den Anrainern und jenen, die gerne in Schanigärten sitzen beziehungsweise den Vertretern der Gastronomie auf: "Eine gemeinsame Lösung zu finden, wird daher nicht einfach sein. Wir sind uns aber sicher, dass wir in konstruktiver Art und Weise gemeinsam zu einer Verbesserung kommen können."