Wien. 800 Jahre ist der Dominikanerorden heuer alt, am 22. Dezember 1216 erhielt er die päpstliche Bestätigung. Bereits zehn Jahre später, 1226, wurde das Kloster in Wien gegründet, eine der drei seit dem 13. Jahrhundert durchgehend bestehenden Niederlassungen des Ordens, die anderen sind in Krakau und Dubrovnik.

Seit 2015 ist Wien wieder Sitz des Provinzials der süddeutsch-österreichischen Provinz. Anlässlich des alljährlichen Medienempfanges der Ordensgemeinschaften Österreichs gab Provinzial Thomas G. Brogl Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart des Dominikanerkonvents in der Postgasse in der Inneren Stadt.

Als der Babenbergerherzog Leopold VI. den jungen "Predigerorden" (Ordo fratrum Praedicatorum - weshalb den Namen von Ordensangehörigen das Kürzel OP nachgestellt wird) nach Wien rief, fanden die Bettelmönche bereits ein Gebäude mit Vorratskammern vor. Das beweisen im Kreuzgang, heute oft Schauplatz beliebter Konzerte, Fresken aus dem 12. Jahrhundert, ein Überraschungsfund bei Renovierungsarbeiten vor wenigen Jahrzehnten. Fast zur gleichen Zeit gründeten damals der Italiener Franz von Assisi und der Spanier Dominikus (um 1170-1221) Bettelorden mit dem Ideal der Armut. Während die Franziskaner daneben die Naturverbundenheit betonten, schlugen die Dominikaner auch rasch eine intellektuelle Schiene ein und brachten Geistesgrößen wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Meister Eckhart und Bartholomé de las Casas, den Verteidiger der Indiorechte in Amerika, hervor.

Im 20. Jahrhundert erlangten Dominikaner wie Marie Dominique Chenu und Yves Congar als Theologen Weltruf. Auf der anderen Seite war der Orden auch stark mit der Inquisition verbunden, was ihm den Beinamen "Domini canes" (Hunde des Herrn) eintrug. Auch ein prominenter Dominikaner wurde ein Opfer der Inquisition: Giordano Bruno. An der 1365 in unmittelbarer Nähe des Klosters entstandenen Universität Wien prägten anfangs die Dominikaner die theologische Fakultät. In der Reformationszeit schrumpfte der Wiener Konvent auf zwei Mitglieder, blühte aber später enorm auf. Maria Theresia hat sich im 18. Jahrhundert beklagt, weil "nur 80 Dominikaner" an der Fronleichnamsprozession teilnahmen, es dürfte damals fast doppelt so viele in Wien gegeben haben. Die exponierte Lage des Klosters an der Stadtmauer erforderte zur Zeit der ersten Türkenbelagerung, dass ein Teil der 1237 eingeweihten Kirche abgetragen werden musste, um die Befestigung der Stubenbastei zu verstärken. Der Kirchenstumpf bot einen sehr traurigen Anblick. Von Kaiser Maximilian II. ist der Ausspruch überliefert, die Dominikanerkirche sei ein "gar übel akkomodiertes Örtl" gewesen. Doch schließlich legte Kaiser Ferdinand 1631 den Grundstein für eine neue Kirche. Pater Thomas: "So entstand eine der wichtigsten frühbarocken Kirchen von Wien, eine ganz und gar prächtige Kirche, die nicht mehr ganz dem Bettelordensideal entsprach."