Wien. Jedes Jahr stellt die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien bei ihrem "Festival der Jüdischen Kultur" die jüdische Kulturszene eines anderen Landes vor: beim heurigen Festival von 23. Mai bis 5. Juni ist Frankreich zu Gast. "Ausschlag gebend für unsere Wahl waren die Anschläge in Paris", erklärt Organisatorin Sonia Feiger.

Überrascht war sie im Zug der Erstellung des diesjährigen Programms, wie vielfältig und reich sich das jüdisch-französische Kulturschaffen präsentiert. "Aus diesem breiten Angebot repräsentativ auszuwählen, war keine leichte Aufgabe."

Den Veranstaltungsreigen eröffnet am 24. Mai der Pianist Gérard Gahnassia mit einem klassischen Klavierkonzert ("In 80 Minuten um die Welt"). Am 30. Mai zeigen Cigarillos en el Shtruddle Salsa-inspirierten Klezmer. Tags darauf präsentiert Estelle Goldfarb einen Mix aus Klezmer, Klassik, Jazz und Groove. Und am 1. Juni sind Bubbey Mayse mit einer Fusion aus Klezmer und A Capella zu Gast (alle Konzerte im Haus der Musik). Im Konzerthaus sind zudem am 5. Juni Les Yeux noirs mit Gipsy-Rock und Jiddisch-Pop zu hören.

Herzstück des Festivals ist auch heuer wieder das "Let’s celebrate" im Arkadenhof des Wiener Rathauses. Am Sonntag, den 29. Mai, präsentieren sich hier sowohl die Einrichtungen der IKG als auch zahlreiche jüdische Initiativen, Vereine, Gastronomen sowie Geschäfte. Erstmals zu Gast ist beispielsweise Shalom Alaikum, ein Verein, der Flüchtlingen unter die Arme greift. Und kulinarisch sind heuer erstmals die veganen Kreationen von Shelanu (Hebräisch: unser) vertreten.

Auf der Bühne wird an diesem Tag viel Beschwingtes und Tanzmusik geboten: Pad Brapad holen sich ihre Inspiration aus Gipsy-Musik, Gefilte Swing swingen auf Jiddisch und Bekar bringen jiddischen Pop. Viel war in den vergangenen Wochen und Monaten von steigendem Antisemitismus, vor allem von muslimischer Seite, die Rede. "Wir wollen mit diesem öffentlich zugänglichen Fest zeigen, dass unsere Türen offen stehen, dass wir auf Austausch setzen und uns nicht verstecken", betont Feiger. Jeder, der ein bisschen jüdisches Lebensgefühl schnuppern möchte, ist daher herzlich willkommen - auch die Jüngsten. Für sie gibt es ein Kinderprogramm.