Wien. Keine am Stück durchgearbeiteten Wochenenden mehr, keine im Spital schlafenden Nachtärzte, keine in der Früh übermüdeten Visiten - das ist das Ziel einer EU-Richtlinie, die - wenn möglich - eine wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden für Ärzte vorsieht und im vergangenen Jahr in Österreich per Gesetz umgesetzt wurde.

Dass die Umstellung alles andere als leicht werden würde, war allen Beteiligten - Stadt Wien und Ärztevertreter - wohl von Anfang an klar. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) setzte zahlreiche Begleitmaßnahmen für die Umstrukturierungen in den Spitälern um. So wurde etwa der Tätigkeitsbereich des Pflegepersonals erweitert, um die Ärzte zu entlasten. Vieles habe man erreicht, einiges funktioniere aber noch nicht, fasste Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Direktorin im KAV die ersten Ergebnisse am Montag zusammen.

Zehn Prozent der Nachtdienste in den Tag verschoben


Erreicht wurde in einigen Spitälern eine Umstrukturierung der Nachtdienste. Allen voran das Donauspital, das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Wilhelminenspital. Die ärztlichen Vertreter dieser Spitäler kamen zur gemeinsamen Pressekonferenz und schilderten aus der Praxis. Ein 25-Stunden-Dienst sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Christian Sebesta von der 2. Medizinischen Abteilung im Donauspital. "Es ist sinnvoller, die Arbeit von der Nacht in den Tag zu verlegen." Im Wilhelminenspital wurde der Pflegedienst aufgewertet. Leistungen in der Nacht seien vom Pflegepersonal übernommen worden, sagte Wolfgang Hilbe, Leiter der 1. Medizinischen Abteilung. Davor seien zwei Ärzte "permanent angehängt" gewesen.

Im Kaiser-Franz-Josef-Spital sind bereits die Leistungen "von ein paar Nachtärzten" in den Tag verlegt worden, so Christoph Wenisch, Leiter der 4. Medizinischen Abteilung.

Doch gerade die Umstrukturierung der Nachtdienste ist es, die der Ärztekammer Wien am meisten aufstößt. Für den Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sei mit den Einsparungen bei den Nachtdiensten ohne Zustimmung des Personals nun eine rote Grenze erreicht worden, kommentierte er die Konferenz des KAV gleich am Montag.

Ärztekammer sieht Patientenversorgung bedroht


Der Ärztekammer sei vergangene Woche mitgeteilt worden, dass mit 1. September 2016 rund 40 Nachtdienste ersatzlos gestrichen werden. Die Hälfte der restlichen Dienste würden in 12,5-Stunden-Dienste umgewandelt. Das sei ein entgegen der Vereinbarung von 2015 nicht abgestimmtes Vorgehen mit der Ärzteschaft", sagte Hermann Leitner, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte dazu. Szekeres: "Diese Maßnahmen sind unilateral seitens des KAV und ohne vorherige Evaluation oder Diskussion an den betroffenen Abteilungen beschlossen worden."