Wien. Ein Parkstreifen auf der Währinger Straße ist abgesperrt. Wenige Schritte weiter häufen sich Betontrümmer, die aus der Straße gebrochen werden. Die ehemaligen Parkplätze werden zum Gehsteig umgebaut. "An dieser Stelle wurde die Straßenbahn besonders oft blockiert, weil Autofahrer zu nahe an den Gleisen geparkt haben. Das kann jetzt nicht mehr passieren", erklärt Silvia Nossek, grüne Bezirksvorsteherin von Währing, die Situation. Der Zeitpunkt für diese Bauarbeiten ist nicht zufällig gewählt worden. Denn ab 5. September gilt im 18. Bezirk das Parkpickerl. Die Bezirksleitung nimmt das zum Anlass, auch einige andere Änderungen am Straßenbild vorzunehmen.

Für Autofahrer gilt jedoch als Erstes, die Parkgebühren zu beachten. Denn Parken ist ab Montag nur noch mit kostenpflichtigem Parkschein und für begrenzte Zeit möglich. Bewohner des 18. Bezirks können um 90 Euro pro Jahr das sogenannte Parkpickerl erwerben. Damit dürfen sie im gesamten Bezirk auf unbegrenzte Zeit ihr Auto abstellen. Ausgenommen sind Geschäftsstraßen - hier dürfen Pickerlbesitzer mit eingelegter Parkscheibe maximal eineinhalb Stunden lang parken.

Druck durch Nachbarbezirke mit Parkpickerl


Die Parkgebühren sollen dafür sorgen, dass weniger Autos im Bezirk parken. "Die Nähe zum Gürtel sorgt für viel Verkehr. Außerdem haben seit 2012 zwei Nachbarbezirke Parkgebühren", erklärt Nossek. Viele Autofahrer hätten in Währing also nach einem Gratisparkplatz gesucht und den Bezirk überlastet. Das Pickerl soll Abhilfe schaffen. Doch mit den neuen Parkgebühren ist es für die Bezirksvorsteherin noch nicht getan: "Viele Probleme im Bezirk konnten früher nicht angegangen werden, weil bauliche Maßnahmen Parkplätze gekostet hätten. Und davon hat es schon zu wenige gegeben", erklärt Nossek.

Die erhoffte Entlastung der Parkplatzknappheit mache Änderungen nun möglich. Es geht zum Beispiel um die bereits erwähnte Entschärfung der Straßenbahnblockaden. Diese passieren in Währing an mehreren Stellen besonders häufig. An diesen Hotspots werden Parkplätze am Rand der Straße kurzerhand gegen breitere Gehsteige getauscht. Wo niemand parkt, kann auch niemand falsch parken, lautet die Devise. Fahrradfahrer sollen sich im Bezirk auch abseits der viel befahrenen Straßen bewegen können. Deshalb ist es in einigen Seitengassen erlaubt, gegen die Einbahn Rad zu fahren. "Immer ist das aber nicht möglich, weil viele Straßen nicht breit genug sind. Die Radfahrer wären zu nah am Gegenverkehr", so Nossek. Insbesondere dann, wenn die Parkplätze schräg auf die Straße ragen. Deshalb werden sie mancherorts in Längsparkplätze umgewidmet, um genug Platz für Radfahrer zu schaffen.