Wien. Was viele Bürger in Döbling befürchtet haben, ist nun eingetroffen: Seit Montag gilt im Nachbarbezirk Währing von 9 bis 19 Uhr die Kurzparkzone, und die Grenzgebiete zum 19. Bezirk sind seitdem dicht verparkt. Parkplätze sind Mangelware, der Ärger der betroffenen Bewohner ist groß.

Unter diesen Voraussetzungen gerät Bezirksvorsteher Adi Tiller unter Druck und will möglichst schnell reagieren. "Mein Fahrplan ist, dass wir für nächste Woche Mittwoch die Verkehrskommission des Bezirks zwecks Lagebesprechung einberufen haben", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Diese Kommission hatte im Frühjahr 2016 beschlossen, dass in Döbling keine Parkraumbewirtschaftung stattfindet und eine Bürgerbefragung dazu erst im Jänner 2017 durchzuführen ist. "Das wollen wir nun ändern, denn ich will die Befragung vorziehen", so der Bezirkschef weiter. Dass es hierfür eine Bezirksmehrheit geben werde, davon geht Tiller aus. "Denn alle Parteien bekommen ja Anrufe von verärgerten Bürgern". Ende Oktober soll es dann Klarheit darüber geben, ob die Döblinger das Parkpickerl haben wollen oder nicht. "Dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung wird dann auch entsprochen", versichert Tiller.

Die FPÖ sieht das alles etwas anders. Sie teilte am Dienstag mit, dass eine Befragung im Frühjahr nach wie vor "weitaus sinnvoller" sei. Man solle die Auswirkungen des Währinger Parkpickerls auf Döbling über Monate beobachten und das Ergebnis dann sprengelweise auszählen, fordert der Döblinger FPÖ-Obmann und Klubobmann im Wiener Rathaus, Dominik Nepp. Tiller bleibt aber dennoch bei seinen Plänen. Sollte es eine Mehrheit geben, werde man alle formalen Schritte mit der Stadt Wien einleiten, damit die operative Einführung des Parkpickerls für den 19. Bezirk Mitte 2017 erfolgen könne. Sollte es aber eine Ablehnung geben, dann sei das Thema "vom Tisch".

Tiller wehrt sich gegen Kritik

Nicht gelten lassen will Tiller die Kritik der Opposition, dass er in der Angelegenheit ein "Wendehals" sei und dies zu chaotischen Verhältnissen in seinem Bezirk geführt hätte. "Ich habe schon damals, als klar wurde, dass Währing die Einführung des Parkpickerls erwägt, gesagt, dass dann auch Döbling darüber nachdenken sollte", unterstreicht er. Dennoch habe er sich an die demokratische Entscheidung der Verkehrskommission gehalten.

Und wie sehen das die Döblinger selbst? Abhängig davon, wo die Menschen im Bezirk wohnen, gehen die Meinungen auseinander. Vor allem im Heurigenviertel rund um die Bezirksteile Grinzing, Neustift und Sievering haben die Menschen mit dem zahlungspflichtigen Parken keine Freude. Je näher man aber zum Gürtel kommt, desto größer wird die Zustimmung. "Es kann ja nicht sein, dass ich als Döblinger nur wegen dem Parkpickerl in Währing ab jetzt jeden Abend eine halbe Stunde Parkplatz suchen muss", meint etwa die Döblingerin Denise Facker.

Fix ist laut Tiller nur, dass - falls es zu einer Einführung kommt - für einige Zonen, etwa beim Krapfenwaldbad, am Cobenzl und am Kahlenberg, Sonderregelungen geben würde. Döbling ist übrigens nicht der einzige Bezirk, wo das Thema in naher Zukunft behandelt wird. Auch Hietzing und Simmering wollen über das Parkpickerl abstimmen lassen. Die Befragungen sind für Anfang 2017 vorgesehen.