Wien. Wenn es an diesem Wochenende zwischen dem Krankenanstaltenverbund (KAV) und der Wiener Ärztekammer nicht doch noch zu einer Einigung kommen sollte, wird am Montag an sieben Wiener Spitälern gestreikt. Und genau danach sah es am Freitag noch aus. Ein von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely angeregtes Treffen vor dem Wochenende hat jedenfalls nicht stattgefunden. Betroffen von einem Streik sind die Abteilungen an den Krankenhäusern und Pflegewohnheimen SMZ Baumgartner Höhe/Otto-Wagner-Spital und Pflegezentrum, Krankenhaus Hietzing, Krankenanstalt Rudolfstiftung, SMZ Floridsdorf und Geriatriezentrum, SMZ Ost/Donauspital, SMZ Süd/Kaiser-Franz-Josef-Spital und Wilhelminenspital.

Von Dienstbeginn (7 Uhr) bis 13 Uhr wird es an diesen Spitälern nur einen Notbetrieb geben. "So wie an jedem Samstag, Sonn- und Feiertag", sagt Wiens Ärztekammer. Für Patienten bestehe keine Gefahr, Akutfälle würden in jedem Fall behandelt. Das habe die Ärztekammer mit den Spitälern und Ambulanzen akkordiert, betonte Thomas Szekeres, Ärztekammerpräsident, am Freitag.

Entfallen werden hingegen geplante operative Eingriffe oder vereinbarte ambulante Untersuchungen und Kontrollen, die nicht unmittelbar durchgeführt werden müssen. Dazu wurden im Vorfeld die Patienten bereits informiert. "Wer unsicher ist, sollte jedenfalls noch Kontakt mit seinem Spital aufnehmen, um alle näheren Details zu erfahren", hieß es. Auch wird es an den Spitälern Plakate und Banner geben, die auf den Streik der Ärzte hinweisen.

Da es in Österreich noch nicht viel Streikerfahrung gibt, werden Zahlen aus Deutschland herangezogen. An einem Streiktag wurden dort etwa in einem Spital statt 100 lediglich 18 Operationen durchgeführt. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), die kein Verständnis für einen Streik in diesem Fall hat, warnte vor einem massiven Schaden am Gesundheitssystem. Bereits in diesen Tagen sei die OP-Kapazität um bis zu 80 Prozent reduziert worden. Und sie stellte offene zivil- und strafrechtliche Fragen in den Raum. "Ein Arzt hat eine andere Verantwortung als ein Verkäufer", so Wehsely.

Zusätzlicher Ärztefunkdienst


Für Arbeitsrechtler Franz Marhold ist das allerdings kein Grund, nicht zu streiken: "Einen Streik, den keiner spürt, den kann man auch absagen", sagte er gegenüber der "Wiener Zeitung". Szekeres rechnet mit der Solidarität seiner Patienten: "Wir wissen, dass der Montag Unannehmlichkeiten bringen wird. Schlussendlich kämpfen wir aber an einem Tag für ein Gesundheitssystem, das in Zukunft für alle Tage die bestmögliche Gesundheitsversorgung für alle Wiener Patienten bringen wird." Um die Umstände gering zu halten, ist der Ärztefunkdienst an diesem Vormittag zusätzlich im Einsatz. Er wird von 7 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 141 für medizinische Beratung und Betreuung zur Verfügung stehen. Grundsätzlich sei es Aufgabe des Dienstgebers KAV, an Streiktagen für eine entsprechende Notversorgung zu sorgen, kritisierte die Ärztekammer.

Die Ärzte treffen sich indes im weißen Mantel am Montag um 9 Uhr auf dem Dr.-Karl-Lueger-Platz. Ab 10 Uhr geht es dann über den Ring, Weihburggasse zum Franziskanerplatz. Dort stehen Busse bereit, die die Demonstranten um 12.15 Uhr wieder in ihre Spitäler bringen für einen "pünktlichen Dienstantritt um 13 Uhr".

Die Ärztekammer fordert von der Stadt, derzeit keine weiteren Nachtdienste zu streichen und auf "Zwangsschichtdienste" zu verzichten. Wehsely betonte, dass die Streichung vereinbart worden sei und diese in Etappen erfolge und dass es lediglich dort, wo es Sinn macht, zur Einführung von 12,5-Stunden-Diensten komme.