Wien. "Gedenkritt 1683": Unter diesem Titel demonstrierte am 10. September die schwere polnisch-litauische Kavallerie, die sogenannte Husaria, ihre Kampfeskunst im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum. Der Grund: Das 333. Jubiläum der Entsatzschlacht um Wien, in dem gerade die Husaren eine entscheidende Rolle bei der Beendigung der zweiten Belagerung Wiens durch die Osmanen spielten.

Es ist nicht nur eine historische Militärschau, die nach mehr als vier beziehungsweise drei Jahrhunderte nach der ersten beziehungsweise zweiten osmanischen Belagerung als Erinnerung an diese für Wien durchaus wichtigen historischen Ereignisse dient. In ganz Wien existieren zahlreiche Orte und Denkmäler, die mit den Schicksalsjahren 1529 und 1683 untrennbar verbunden sind: So verzeichnet ein Forschungsprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter dem Titel "Türkengedächtnis" rund 30 Denkmäler in Wien, die an die erste und zweite Türkenbelagerung erinnern.

Politische Angelegenheit


Die relativ hohe Zahl der osmanischen Erinnerungsorte in Wien lässt sich mit der österreichischen Gedächtniskultur erklären: "Die Häufigkeit der Erinnerungsorte hängt sehr viel auch mit den Erinnerungsfeiern zusammen, die 1783, 1883, 1933 und 1983 stattgefunden haben. Ausstellungen und Publikationen haben diese Erinnerung lange am Leben gehalten", sagt uns der Wiener Historiker Thomas Just.

Tatsächlich trugen die Erinnerungsfeiern in den Jahren 1883 und 1933 auch eine politische Dimension mit sich. In den beiden Jubiläumsjahren stilisierte man so die zweite Türkenbelagerung als entscheidende Verteidigung und anschließenden Triumph der abendländischen Kultur gegen den osmanischen Eroberer. Bei den Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Entsatzschlacht vom Kahlenberg im Jahr 1883 betonte etwa der Wiener Bürgermeister Eduard Uhl die Rolle der Stadt als "Vormauer deutschen Geistes und deutscher Kultur" und der deutsche Historiker Onno Klopp schwärmte in seinem Aufsatz zum runden Jubiläum vom Wien des Jahres 1683 als Kern des christlichen Bollwerks gegen den aggressiven Islam.

Auch im Jahre 1933 nutzte man das 250. Jubiläum der Entsatzschlacht, um politisch zu punkten. "Wenn man bedenkt, dass die Feierlichkeiten im Jahr 1933 mit dem Katholikentag verknüpft wurden, dann ist klar, dass der Ständestaat dieses Jubiläum für seine Ideologie nutzte", erklärt Just. In den Vordergrund der Feierlichkeiten kam diesmal nicht nur der religiöse Aspekt, in dem der Sieg der abendländisch-christlichen Kultur gefeiert wurde, sondern auch der deutschnationale.