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Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Wirtschaft mittlerweile ein großes. Es ist sogar zu einem eigenen Geschäftsfeld geworden. Denn es geht dabei nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch um soziale und ökonomische. Das Social-Business-Projekt Magdas etwa bewegt sich in diesem Bereich: 20 anerkannte Flüchtlinge arbeiten im Wiener Magdas-Hotel und kümmern sich gemeinsam mit zehn Hotellerieprofis um die Gäste. Mittlerweile ist Magdas schon in fünf Branchen tätig - seit kurzem auch im Bereich der Reinigung, in Kooperation mit einem renommierten Wiener Reinigungsunternehmen.

Doch was hier oft und gerne als Vorzeigebeispiel für gelungenes Social-Business genannt wird, findet man am freien Markt immer noch nur sehr vereinzelt. Vor allem in der Reinigungsbranche herrscht ein bitterer Konkurrenzkampf - die meisten setzen auf Niedrigstpreise, nur wenige auf soziale Verantwortung. Während also die einen mit geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen die Preise drücken, versuchen die anderen mit Qualität und Nachhaltigkeit zu punkten - was alles andere als leicht zu sein scheint.

Ein Umstand, der im Übrigen heute nicht nur die Reinigungsbranche betrifft. Was das für die Wirtschaft und für den Arbeitsmarkt bedeutet, darüber diskutierten im Café Eiles unter der Moderation der "Wiener Zeitung" Gerhard Komarek, Innungsmeister der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, Michael Kleinbichler, Geschäftsführer der Magdas Caritas Services GmbH, Martin Sobotka, Abteilungsleiter beim AMS-Wien, Alexander Biach, Direktor-Stellvertreter der Wiener Wirtschaftskammer und Alexander Billasch, Geschäftsführer der Reinigungsfirma Blitzblank.

"Wiener Zeitung":Das Magdas-Projekt ist auf Expansionskurs - jetzt sind Sie sogar in die Reinigungsbranche eingestiegen. Was ist der Grund des Erfolges? Und worin unterscheidet sich dieses Projekt im Vergleich zu anderen privatwirtschaftlichen Projekten?

Michael Kleinbichler: Wir sind ein erwerbswirtschaftliches Unternehmen, dessen Ziel nicht die Gewinnmaximierung ist, sondern die Maximierung des sozialen Nutzens. Das heißt, es werden dauerhafte Erwerbsarbeitsplätze für Menschen geschaffen, die nur ganz schwer einen Job finden: Langzeitarbeitslose, Ex-Häftlinge, behinderte Menschen und Flüchtlinge. Wir definieren uns als ein Start-up-Unternehmen und arbeiten mittlerweile schon in Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Recycling - und seit kurzem auch im Bereich der Reinigung in Zusammenarbeit mit der Firma Blitzblank.

Was hat eine Reinigungsfirma von einer solchen Kooperation?

Alexander Billasch: Es ist eine Win-win-Situation: Es gibt gemeinsame Aufträge, das Personal wird aufgeteilt, wir bringen professionelles Know-how ein und ziehen uns dann nach einer bestimmten Laufzeit wieder zurück.

Aber würde das nicht auch ohne Magdas gehen?

Billasch: Für uns ist es wichtig, nachhaltig zu wirtschaften und soziale Verantwortung zu übernehmen. Natürlich verstehen wir uns als gewinnorientierte Marke - allerdings wollen wir als traditionelles Familienunternehmen auch darauf schauen, dass die Firma auch noch für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Und das geht meiner Meinung nach nur mit einen nachhaltigen Ansatz, und dazu gehört eben auch, dass man sozial verträgliche Arbeitsplätze schafft. Wir haben zum Beispiel einen Haftentlassenen eingestellt, der extrem motiviert ist und wieder den Weg zurück in die Gesellschaft finden will. Er gehört mittlerweile zu unseren besten Mitarbeitern. Wir haben auch ältere Mitarbeiter und alleinerziehende Mütter eingestellt - sie alle sind froh, endlich wieder arbeiten zu können und geben Gas.

Und das funktioniert reibungslos?

Billasch: Es gibt natürlich auch eine Kehrseite der Medaille: Manche Bewerber kommen nur, um sich den Stempel für’s AMS geben zu lassen. Und es gibt Firmen, die unser Wirtschaftssystem gnadenlos ausnutzen: Sie setzen auf Notstandshilfe plus geringfügige Beschäftigung schwarz auf die Hand. Der Arbeitnehmer sieht hier natürlich nur den kurzfristigen Aspekt, denkt nicht an die Pensionsvorsorge und sagt: Super, da verdiene ich mehr, als wenn ich mich anstellen lassen würde. Hier gibt es meiner Meinung nach auch zu wenig Kontrolle vonseiten des Staates, um diese Missstände auszumerzen.

Kleinbichler: Da muss ich jetzt widersprechen: Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass das eine Diskriminierung für arbeitslose Menschen ist. Es sind, wie bereits erwähnt wurde, die Rahmenbedingungen, die nicht passen. Und ich bin zutiefst optimistisch, dass es dem Menschen innewohnt, erwerbstätig sein zu wollen - niemand will auf Mindestsicherung oder AMS-Beiträge angewiesen sein.

Also sind die anderen Firmen die "Bösen"?

Billasch: Nein, natürlich liegt die Verantwortung auch auf der Käuferseite, die gerne unterpreisig einkauft - da gehört leider auch noch immer die öffentliche Hand dazu. Es gibt Ausschreibungen, wo am Ende bewusst 30 bis 40 Prozent unter dem reellen Preis eingekauft wird. Deswegen ist es so wichtig, Bewusstsein zu schaffen, denn wenn schon die öffentliche Hand Nachhaltigkeit nicht unterstützt, warum sollte es dann jemand anderer tun?