Wien. (dab) Das Sammeln von Nazi-Propaganda, das Posten von NS-Slogans auf Facebook, die beinahe täglichen "Heil Hitler!" und "Sieg Heil!"-Rufe: Es waren einige der Fakten, welche die Staatsanwaltschaft Wien einem 39-jährigen Mann zur Last gelegt hatte. Am Montag wurde der Angeklagte im Straflandesgericht Wien von einem Geschworenengericht dafür zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. 14 Monate davon werden bedingt nachgesehen. Da die Staatsanwaltschaft Wien und der Angeklagte (Verteidigerin: Irene Pfeifer) auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

"Dass ich eher rechts eingestellt bin, ist kein Geheimnis", sagte der Angeklagte - er stottert aufgrund eines Sprachfehlers leicht - in seinem Schlussplädoyer. Beim Prozessauftakt im November zeigte er sich teilweise geständig. Seine beiden Großväter, die bei der SS gewesen seien, hätten ihn radikalisiert, gab er an. So habe er schon in seine Schulhefte öfters den deutschen Reichsadler gemalt. Lange Zeit sei er unauffällig gewesen. Doch nach einem Arbeitsunfall habe er dann seinen Job verloren und sei drogenabhängig und obdachlos geworden.

Am Montag wurde nun ein Zeuge aus einem Obdachlosheim, in dem der 39-Jährige unterkam, befragt. Bei einem Streit hat ihn der Angeklagte mit einem Messer bedroht, weswegen der 39-Jährige neben der Wiederbetätigung auch wegen schwerer Nötigung verurteilt wurde. "Wo würden Sie den Angeklagten politisch einordnen?", fragte der vorsitzende Richter Georg Olschak ihn. "Nirgends", antwortete der Zeuge, der einen etwas unkonzentrierten Eindruck machte.

"Bisherige Haftübel reicht aus"


Eine ganz andere Schilderung präsentierte ein weiterer Zeuge, dessen polizeiliche Aussage verlesen wurde. Der 39-Jährige habe in der Unterkunft "lautstark rechtsradikale Musik gehört", so der Zeuge. Zudem sei der Angeklagte mit Nazi-Sprüchen aufgefallen. "Schade, dass Mauthausen nicht mehr offen ist", soll er etwa gesagt haben. Andere Heimbewohner soll er mit dem Hitlergruß und Nazi-Codes begrüßt haben.

Da der Angeklagte bereits seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft ist und diese Vorhaft ihm auf die Strafe angerechnet wird, wurde er am Montag enthaftet. Das bisherige Haftübel reiche wohl aus, meinte Olschak bei der Urteilsbegründung. "Ja", bestätigte der 39-Jährige, der über das Urteil sichtlich erleichtert war.