Wien. Für Erzbischof Christoph Schönborn stehen demnächst drei nicht alltägliche Festmessen auf dem Programm, gilt es doch in der Erzdiözese Wien insgesamt drei neue Pfarren einzuweihen, die durch Zusammenlegungen entstehen (Pfarre Neu): Mit 1. Jänner 2017 wird im 4. und 5. Bezirk aus den fünf Pfarren St. Elisabeth, St. Florian, St. Karl Borromäus (Karlskirche), St. Thekla und Wieden (Paulanerkirche) die neue Pfarre "zur Frohen Botschaft" (die Pfarren St. Josef und Auferstehung Christi bilden einen eigenen Entwicklungsraum, siehe Grafik).

Im 15. Bezirk schließen sich Neufünfhaus, St. Anton, Rudolfsheim und Schönbrunn-Vorpark zur neuen Pfarre "Hildegard Burjan" zusammen (wobei Pfarrkirche St. Anton von der dortigen Pfarrgemeinde ebenso wie Maria vom Siege an eine orthodoxe Kirchen übergeben wurde).

Und als erste Zusammenlegung außerhalb der Wiener Stadtgrenze bilden im Entwicklungsraum Wiener Neustadt Nord die Pfarren Felixdorf, Sollenau und Theresienfeld sowie die Teilgemeinde Siedlung Maria Theresia die gemeinsame Pfarre Neu "Zum Guten Hirten im Steinfeld".

Das Dekanat 4/5 steht vor einem Umbruch. Die Karlskirche hat dabei eine Sonderstellung: Das Pfarrgebiet wird Teil der Pfarre Neu, die Kirche selbst bleibt eigenständig. - © J. Ziegler
Das Dekanat 4/5 steht vor einem Umbruch. Die Karlskirche hat dabei eine Sonderstellung: Das Pfarrgebiet wird Teil der Pfarre Neu, die Kirche selbst bleibt eigenständig. - © J. Ziegler

Den Reigen der Einweihungsmessen beginnt die Pfarre "Zur Frohen Botschaft" am 8. Jänner in der Kirche St. Florian. Die Wahl des Gotteshauses hat laut Pfarrer Gerald Gump keine tiefere Bedeutung: "Es gibt keine Hauptkirche der Pfarre Neu in dem Sinn", betont er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Für die Diözese wurde zwar auf dem Papier eine Pfarrkirche (nicht St. Florian) definiert, "aber mit dem Zusatz, dass dies eine formale Herausforderung ist, der wir entsprechen, aber keinen Vorrang einräumen".

"Das Leben muss sich weiterhin in den Gemeinden abspielen"


Die touristisch bedeutsame Karlskirche, deren Pfarrgebiet großteils auch zur Pfarre Neu gehört, wird eine eigenständige Rektoratskirche. Das heißt, sie gestaltet ihr eigenes Leben durch einen Rektor und einen Rektoratsrat und hat keine direkte Anbindung an die Pfarre Neu. Alle Menschen im Einzugsgebiet der Karlskirche sind Mitglieder der gemeinsamen großen Pfarre, ähnlich wie es auch schon beim Hartmannspital, das eigentlich zu St. Florian gehört, der Fall ist. "Da ist jeden Sonntag ein Gottesdienst, aber es gibt kein eigenes Pfarrgebiet dazu. Und wohin die Menschen zur Sonntagsmesse gehen, bleibt ja jedem selbst überlassen", erklärt Pfarrer Gump. Ohnehin gehen ja auch schon jetzt etliche Gläubige nicht unbedingt dorthin, wo sie wohnen, sondern dort, "wo sie sich angesprochen fühlen", meint Gump. "Das war bei mir selbst früher genauso."

Pfarrer Gump ist selbst erst im Oktober 2015 nach 16 Jahren in einer anderen Pfarre vom Erzbischof in St. Elisabeth und St. Florien eingesetzt worden - mit der Anforderung, die Pfarre Neu im 4. und 5. Bezirk zu realisieren. "Ich habe zwei Bedingungen gestellt: Erstens müssen die Leute grundsätzlich dazu bereit sein, zweitens muss sich das Leben weiterhin in den Gemeinden abspielen und darf nicht in einer Ebene zentralisiert werden, die weit von den Menschen weg ist." Diese beiden Voraussetzungen sieht er voll gegeben. "Schon seit zwei, drei Jahren sind die Pfarren in gutem Kontakt, und der Wille zur Pfarre Neu ist auch an der Basis da." Freilich ist jede Pfarre eine eigene Welt für sich, insofern weiß auch Gump um die Bandbreite von Argumenten für und gegen die Zusammenlegung. Er spricht von Sorgen und Misstrauen ebenso wie von positivem Enthusiasmus in den Pfarrgemeinden. Im Rückblick ist der Pfarrer froh, dass der Prozess auf ein Jahr limitiert und nicht unnötig in die Länge gezogen wurde. Begonnen hat er im Jänner 2016 mit einer Klausur aller Pfarrgemeinderäte aus den beteiligten Pfarren.

Die Priester in der Pfarre Neu werden jeweils einer oder zwei Gemeinden zugeordnet, erklärt Pfarrer Gump: "Wenn am Sonntag immer derselbe Priester die Messe hält, stärkt das die Kommunikation und das Vertrauen auf Gemeindeebene." Deshalb liegt es ihm auch fern, in diesem Zusammenhang die gewachsenen Strukturen aufzubrechen. Und so wird auch das gemeinsame Pfarrbüro in jeder der vier beteiligten Gemeinden (die Karlskirche ist ja ausgegliedert) einen Standort haben, auch die bisherigen Homepages der einzelnen Pfarren werden weitergeführt und mit aktuellen Inhalten aus dem jeweiligen Gemeindeleben befüllt - die neue gemeinsame Website www.Pfarre.zurFrohenBotschaft.at beinhaltet statische und gemeinsam relevante Informationen (diverse Adressen, Kontakte etc.).

Pfarrer Martin Rupprecht will im 15. Bezirk hingegen sehr wohl an den Strukturen rütteln und zitiert dabei aus der Enzyklika "Die Freude des Evangeliums" von Papst Franziskus: "Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des ‚Es wurde immer so gemacht‘ aufzugeben. Ich lade alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungsmethoden der eigenen Gemeinden zu überdenken."