Berlin/Wien. Als ein Gericht im Juni dieses Jahres die Sperrstunde der Alpendisko Bettelalm auf Mitternacht vorverlegte, war der Schock in Wiens Gastronomieszene hoch. Nicht unbedingt aus Sympathie für die Après-Ski-Discothek im 1. Bezirk, sondern auch im Bewusstsein: Das ist kein Einzelfall, das kann uns alle treffen. Und es sieht ganz danach aus. Die Stadt ist ein sozialer Raum, in dem Bedürfnisse kollidieren und Konflikte entstehen - insbesondere in der Nacht. In Wien haben diese Konflikte schon so manche Bar und die Betreiber der Clubs Market und Morrisson zum Aufgeben gebracht. Wie kann man die Konflikte zwischen Gastronomen, Nachbarn und Behörden frühzeitig angehen, um sie zu entschärfen?

Opfer wütender Nachbarn: Die zugesperrten Clubs Morrisson und Market und die Bettelalm, die aufgrund von Anrainerbeschwerden ihre Sperrstunden nach vorne verlegen musste. - © Nathan Spasic (2), market
Opfer wütender Nachbarn: Die zugesperrten Clubs Morrisson und Market und die Bettelalm, die aufgrund von Anrainerbeschwerden ihre Sperrstunden nach vorne verlegen musste. - © Nathan Spasic (2), market

Auf der Konferenz "Stadt nach acht" in Berlin, zu der auch Wiener Journalisten eingeladen waren, haben Experten auf einem Panel darüber diskutiert. "Aus polizeilicher Sicht sind Clubs schwierig, weil sie zentrieren und Gefahrengebiete erzeugen", sagt Wolfgang Pemp, Kriminaldirektor der Stadt Berlin. "Aber letztlich muss man sagen: Konflikte sind nicht kriminell, Lärm ist nicht kriminell." Polizei sei ein Akteur in dem Ganzen, aber die Probleme seien größere. Im Falle vom Münchener Maximiliansplatz habe zum Beispiel ein groß angelegtes Moderationskonzept geholfen, bei dem sich Wirte, Ordnungamt, Anwohner und Polizei an einen Tisch gesetzt hätten.

Dass diese Vorgehensweise funktionieren kann, bestätigt auch Alexandra Heeb vom Polizeidepartment Zürich. Im Partyviertel Langstrasse hätte man im Dialog mit allen Stakeholdern signifikante Verbesserungen erreicht. Mit einer Einschränkung: "Man erreicht damit die Gruppe der Partygäste nicht." Und die würde nun einmal als größtes Problem empfunden. "Aber auch diese Menschen haben berechtige Bedürfnisse, die man respektieren muss", sagt Heeb.

Viele Städte haben gute Erfahrung mit solchen Moderationsverfahren gemacht. Weil sie einerseits helfen, die Probleme im Groben zu erkennen, andererseits sie auch lokalisieren. In einem Fall in Berlin beschwerten sich Anwohner über Flaschen, die Clubgäste angeblich mit vor die Tür nehmen würden. Am Runden Tisch stellte sich dann heraus, dass der Club dieses Bier gar nicht führt. Der Ausgangspunkt des Problems wurde dann an anderer Stelle gefunden. Ole Möller, Clubbetreiber und Vorsitzender des Berliner Vereins Clubkommission, betonte, dass Polizei, Stadt und Anwohner Partner, nicht Gegner der Clubs seien. Moderation würde die Problemlösung von Clubs weg auf eine höhere Ebene heben. "Nicht ‚die Clubs‘ sind schuld" sagt Möller. "Zu Konflikten gehören immer mehrere Seiten."