Öffentliche Liebesbeweisführung kann ganz schön anstrengend und teuer sein. - © fotalia
Öffentliche Liebesbeweisführung kann ganz schön anstrengend und teuer sein. - © fotalia

Wien. (sand) Manche Menschen bleiben Optimisten. Allen Statistiken, Kassandrarufern und Paartherapeuten zum Trotz. Sie wollen ihre Liebe zelebrieren. Mit allem Drum und Dran. Und das geht offenbar nur vor dem Traualtar. Denn Liebe ohne Trauschein ist ja kein ernst zunehmendes Commitment. Wenn Topf seinen Deckel gefunden hat, soll er gefälligst auch drauf bleiben, und was versiegelt eine Partnerschaft besser als ein auf den Lebensweg mitgegebener Glückskeksspruch eines Standesbeamten. Für die spirituellen Töpfe gibt es noch als Extra den Segen der jeweiligen Glaubensgemeinschaft. So will es Mama, der Papst oder das Drehbuch, das man schon seit Kindheitstagen unter dem Kopfkissen für den großen Tag vorbereitet hat.

Doch damit ist es für das Brautpaar nicht getan. Wozu denn heiraten, wenn es am Ende keiner sieht? Verschenkte Liebesmüh. Die richtige Inszenierung geht über alles. Das sagt der Zeitgeist, nach der Devise "Tue Gutes und rede darüber", kommt "Vermähle dich und reibe es allen unter die Nase".

Dafür können sich potenzielle Eheleute dieses Wochenende Inspiration auf Österreichs größter Hochzeitsmesse holen. Von 20. bis 22. Jänner findet in der Messe Wien alles rund um das Thema Hochzeit statt. Unter dem Motto "Trau dich" hat sich Österreichs Hochzeitsindustrie auf 8000 Quadratmeter versammelt, um Mann, aber vor allem Frau auf ihren Hochzeitstag einzustimmen.

Denn so eine Hochzeit will richtig geplant sein. Sonst endet sie im Chaos. Das hat Hollywood bereits mehrfach vorgespielt. Ohne Wedding Planner geht dieser Tage nichts. Vom richtigen Blumenarrangement über den Videoartist für die professionelle Dokumentation, bis zur Auswahl der atemberaubenden Location muss alles rechtzeitig durchkomponiert sein. Man will ja Cousine Gerti in Sachen öffentlicher Liebesbeweisführung übertrumpfen. Es reicht kein Wirtshaus mit Keyboardspieler, es muss ein Palais sein, ein Schloss - oder ein Schiff, das am besten während der Feierlichkeiten noch ins benachbarte Ausland tuckert. So macht es Jennifer Lopez, so will es auch der normalsterbliche Rest. Und die heimische Industrie zieht artig mit.

Schließlich gilt es zu vermeiden, dass die aufgeregte Braut zur aufgebrachten Bridezilla mutiert, die am Tag der Tage vielleicht doch noch kalte Füße kriegt und sich die eine oder andere Statistik zu Gemüte führt und an der Vorstellung des monogamen Happy Ends zweifelt.

2015 wurden in Wien 9526 Ehen geschlossen und 4169 Ehen geschieden. Für 2016 wurden bisher nur die Eheschließungen erhoben. Da waren es 6277. Seit einigen Jahren ist es in Wien möglich, dass sich gleichgeschlechtliche Paare trauen lassen. Hier gab es einen Anstieg: Die Zahl der eingetragenen Partnerschaften kletterte von 139 im Jahr 2015 auf 190 im Vorjahr. Die Hochzeitindustrie darf also hoffen.

Alles über das Heiraten erfahren Sie auch im "Wiener Journal" am Freitag.