Wien. Buhrufe, Lachen und Einwände wie "schlechtes Argument": Die Bürgerversammlung am Montagabend im Hotel Intercontinental glich einer Kampfarena. Nur, dass keine Fäuste, sondern verbale Fausthiebe geflogen sind. Auf der einen Seite drei Projektbetreiber, ein Vertreter der Stadtteilplanung (MA 21) und der Landstraßer Bezirksvorsteher-Stellvertreter, die auf den Vorteil des Bauprojektes wie neue Durchwegungen, breitere Gehsteige, Sanierung des Eislaufvereins und die Errichtung eines neuen öffentlichen Platzes hinwiesen und mit Aussagen wie "Mehrwert" Buhrufe aus dem Publikum kassierten.

Auf der anderen Seite: 300 Bürger - überwiegend Gegner des Bauprojektes. Im Zentrum der Diskussion ist der geplante 66,3 Meter hohe Wohnturm, der seit Anfang des Projektes für Aufregung sorgt, gestanden. Jener Turm, der bei Realisierung Wien den Weltkulturerbe-Status kosten könnte - die Unesco drohte bereits, Wien auf die rote Liste zu setzen, sollte das Gebäude im historischen Zenturms Wiens, in der Kernzone des Unesco-Weltkulturerbes, errichtet werden. "Der Turm des Anstoßes" wie es eine Anrainerin bei der Bürgerversammlung spitz formuliert und dafür Applaus erntete.

"Dieser Aspekt war im Wettbewerb ein großes Thema. Die Jury hat sich sehr stark damit beschäftigt und ist zur Auffassung gekommen, dass der Blick von einer Stadtredoute aus nicht so bedeutsam ist wie der Eindruck eines Projekts aus dem direkten Umfeld", erklärt der Vertreter der MA 21. Zu den Vorwürfen am Beginn der Bürgerversammlung, dass einiges nicht mit rechten Dingen zugehe, konterte Projektkoordinator Klaus Wolfinger: "Ich bin selber Jurist, man sollte gut aufpassen, was man in den Raum stellt."

Harte Bandagen


Es wurde mit harten Bandagen gekämpft - und mit Buhrufen. "Sie wollen uns ein wunderbares Projekt verkaufen, aber merken Sie nicht, welche Ängste die Leute haben. Das sind Anrainer hier, Leute, die hier wohnen. Wie kann es sein, dass Richtlinien ausgehebelt werden?", richtet ein Bürger seine Frage an das Podium. Die Wiener Bauordnung werde nicht geändert. "Was jedoch richtig ist, ist, dass, um das Projekt realisieren zu können, der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan geändert werden muss. Dafür bedarf es einen Gemeinderatsbeschluss. Das dafür notwendige Verfahren ist in der Wiener Bauordnung geregelt", so der Stadtplaner.