Wien. Der stellvertretende Generaldirektor des Krankenanstaltenverbundes (KAV) Thomas Balázs gab sich am Donnerstag bei einer Baustellenbesichtigung des Krankenhauses Nord in der Brünner Straße optimistisch: Noch heuer im Herbst sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, betonte er. Einige Abteilungen seien schon zu 90 Prozent fertiggestellt, wie etwa die Pulmologie-Ambulanz oder das Mutter-Kind-Zentrum. Gemeinsam mit dem Projektleiter, Wolfgang Strenn und der ärztlichen Chefin, Sylvia Schwarz führte er die Neo-Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und eine Gruppe von Journalisten durch das in Bau befindliche Krankenhaus.

Dass das gesamte Areal, in dem künftig 46.000 Patientinnen und Patienten jährlich untergebracht werden, schon im Herbst fertig werden soll, erfordert einige Vorstellungskraft. Während sich in den vorderen Bereichen des Spitals die Ambulanzen und Bettenstationen der Fertigstellung nähern, befinden sich in den hinteren Bereichen noch ganze Stationen im Bau. Die Technikzentralen seien zu 40 bis 45 Prozent errichtet, sagte Balázs. Aktuell werde intensiv an den Operationssälen gearbeitet. 16 wird es davon geben, drei davon im 24-Stundenbetrieb. 17.000 Operationen sollen jährlich darin durchgeführt werden. Die dafür verwendete Technik sei auf dem Letztstand, wurde versichert.

Ursprünglich war die Gesamtinbetriebnahme des Krankenhauses, mit dessen Bau 2012 begonnen wurde, für Sommer 2016 anberaumt. Dieser Termin musste mehrmals verschoben werden und wanderte schon 2015 vom Frühjahr 2017 auf den Sommer 2017 und schließlich auf Ende 2017. Nach derzeitigem Stand hofft man, Anfang 2018 zumindest mit dem Probebetrieb beginnen zu können. Im Zuge dessen werden einzelne Abteilungen aus Krankenhäusern, die in das KH Nord umziehen, wie etwa die Semmelweis Frauenklinik oder das Krankenhaus Floridsdorf, in dem neuen Spital verschiedene Abläufe üben.

Probebetrieb zur Einschulung für das Personal

"Das Personal muss sich in dem neuen Gebäude ja zurechtfinden und die Maschinen bedienen können", sagte Schwarz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Allein im Intensivbereich müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Umgang mit 80 Geräten üben. Der Probebetrieb muss so koordiniert werden, dass der Betrieb in den anderen Krankenhäusern aufrechterhalten werden kann. Schwarz hätte gerne drei Monate dafür Zeit, realistisch seien aber eher sechs bis acht Wochen, meinte sie.

Zurzeit sind noch zwischen 800 und 1200 Bauarbeiter, Haustechniker und Bodenleger mit der Fertigstellung des Krankenhauses beschäftigt. Parallel arbeite man aber bereits gemeinsam mit den bestellten Führungskräften aus Medizin, Pflege und Therapie an den künftigen Abläufen und Aufgabenverteilungen, sagte Balázs. "In Summe werden mehr als 2000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den verschiedensten Fachbereichen auf die Übersiedlung vorbereitet und auf die neuen Abläufe geschult."

Ende 2018 sollen die ersten Patientinnen und Patienten im KH Nord behandelt werden. Auf ein Datum für eine Gesamtinbetriebnahme wollte sich Balázs am Donnerstag nicht festlegen.

Kosten belaufen sich auf

1,1 Milliarden Euro

"Kostenmäßig halten wir, wenn man die vergangene Situation betrachtet, bei einem stabilen Zustand, nämlich bei 1,1 Milliarden Euro", sagte der stellvertretende Generaldirektor. Regressforderungen gegenüber Baufirmen sind in der aktuellen Kostenschätzung bereits berücksichtigt.

Ursprünglich war man davon ausgegangen, den Bau deutlich unter einer Milliarde Euro abzuwickeln. 2009 war noch von 825 Millionen Euro die Rede. Die Nachkorrektur von Statikplänen und die Insolvenz einer Fassadenfirma trieben die Kosten jedoch in die Höhe.

Die Kostensteigerung und die Änderungen in der Zeitplanung riefen zahlreiche Kritiker auf den Plan. Im Sommer 2014 ließ die FPÖ den Stadtrechnungshof das riesen Bauvorhaben prüfen. Dieser sorgte sich um die Restfinanzierung, stellte aber ansonsten keine Mängel fest. Es stünden ausreichend Kontrolleinrichtungen zur Verfügung, um eine Überprüfung der ordnungsgemäßen Gebarung sicherzustellen, hieß es. Die Gerüchte rund um Risse im Fundament, eine angebliche Gebäudeabsenkung und einen notwendigen Teilabriss verstummten jedoch nicht. Anfang 2016 ließ die FPÖ den Rechnungshof das Bauvorhaben prüfen. Der Bericht dazu steht noch aus.