41.379 Diesel-Pkw wurden 2016 in Wien zugelassen. 2010 waren es noch 35.122. - © Getty
41.379 Diesel-Pkw wurden 2016 in Wien zugelassen. 2010 waren es noch 35.122. - © Getty

Wien. Trotz Feinstaubrekorden wurden in Wien noch nie so viele Dieselfahrzeuge gekauft wie 2016. Während andere große Städte den Autoverkehr reduzieren und die besonders gesundheitsschädlichen Dieselfahrzeuge mit Fahrverboten und Umweltgebühren belegen, geht die heimische Politik einen anderen Weg.

Dieseltreibstoff bleibt in Österreich im Vergleich zu Eurosuper steuerlich begünstigt. Was bei der Einführung dieser Privilegien einmal als Förderung für den ländlichen Bereiche und landwirtschaftliche Maschinen gedacht gewesen sein mag, schuf Anreize für Firmen wie für Privatpersonen, auf eine - wie wir heute wissen - umweltschädliche Motorentechnologie zu setzen.

Obwohl durch den VW-Abgasskandal bekannt wurde, wie Kfz-Hersteller bei den Angaben über Abgaswerte tricksen. Und trotz der zuletzt miserablen Luftgüte-Situation in österreichischen Städten traut sich kaum jemand, das Diesel-Privileg abzuschaffen. Die Folge: 2016 erzielte der Verkauf von Dieselfahrzeugen neue Rekordwerte.

Laut Kfz-Zulassungszahlen der Statistik Austria wurden 2016 in Österreich 188.820 Diesel-Pkw zugelassen - das sind fast zwei Drittel aller Neuzulassungen. Allein in Wien kamen 41.379 (2010 waren es noch 35.122) Diesel-Pkw dazu, wodurch sich deren Bestand auf 375.673 Stück erhöhte. Diesel-Pkw machen in Wien 55 Prozent aller Pkw aus. (Zum Vergleich: Autos mit Elektroantrieb liegen bei einem Anteil von gerade einmal 0,9 Prozent.)

Feinstaubbelastung


Bei den Lastwagen ist der Hang zum Diesel noch ausgeprägter. Die Armada der Klein-Lkw (bis 3,5 Tonnen) in Wien ist inzwischen auf 60.342 Stück angewachsen: 56.032 davon verbrennen Diesel. Bei den schweren Lkw gibt es zu Diesel anscheinend überhaupt keine Alternative. Insgesamt sind auf Wien Straßen rund 250.000 Fahrzeuge mit Dieselantrieb unterwegs. Und das sind nur die mit Wiener Kennzeichen. Dazu kommen zehntausende weitere, die täglich aus dem Umland einpendeln.

Autoabgase, speziell die von Dieselmotoren, sind nun aber die Hauptursachen der urbanen Feinstaubbelastung. In Wien, normaler Weise durch die windige Wetterlage begünstigt, bläst praktischer Weise der Wind die Schadstoffe meistens recht bald fort. Wenn allerdings - wie im vergangenen Jänner und Februar - eine sogenannte Inversionswetterlage die Durchmischung der Luftmassen verhindert, wird der Dreck in der Luft spürbar. Die Schadstoffe, die in und um Wien produziert werden, sammelten sich wie eine Glocke über der Millionenstadt.