Magdalena Leeb und Anita Zieher machen Impro-Kabarett, Expertin Iris Fink (l.) leitet das Österreichischen Kabarett Archiv in Graz. Comedians Angelika Hofer (r.) und Isabel Meili (u.) organisieren "Don’t Be A Pussy"-Abende.
Magdalena Leeb und Anita Zieher machen Impro-Kabarett, Expertin Iris Fink (l.) leitet das Österreichischen Kabarett Archiv in Graz. Comedians Angelika Hofer (r.) und Isabel Meili (u.) organisieren "Don’t Be A Pussy"-Abende.

Wien. Angelika Hofer und Isabel Meili lachen ausgelassen. Bei Cola und Sacherwürsteln im Café Drechsler erzählen sie von ihren Erfahrungen als lustige Frauen. Sie machen Stand-up-Comedy. "Wenn ich männlichen Bekannten sage, was ich mache, haben sie plötzlich das Bedürfnis, mir einen Witz zu erzählen, um mir zu zeigen, dass sie eh auch lustig sind", sagt die 30-jährige Schweizerin Meili.

Sie lebt seit zehn Jahren in Österreich und ist seit sieben Monaten Teil der Szene. Gemeinsam mit der 31-jährigen Hofer, die seit knapp einem Jahr auftritt, organisiert sie in Wien alle zwei Wochen Open Mics in der Bar Grind im Alsergrund sowie den englischsprachigen Stand-up-Abend "Don’t Be A Pussy", bei dem ausschließlich Frauen auftreten, im Lokal Aera im 1. Bezirk.

Lustige Frauen sind in der österreichischen Öffentlichkeit noch eine Rarität. Es scheint, als hätte man sich hierzulande zu sehr an den Essay des britischen Autors Christopher Hitchens gehalten, der vor sechs Jahren im US-Magazin "Vanity Fair" erschienen ist. In seinem Text "Warum Frauen nicht lustig sind" erklärt der mittlerweile verstorbene Autor, dass Frauen gar nicht lustig sein müssten, da Humor doch keine der Eigenschaften wäre, auf die Männer bei ihnen achten würden. Umgekehrt würden sich Frauen ausschließlich für Männer interessieren, die sie zum Lachen bringen. Humor sei also absolute Männerdomäne. US-Comedy Pionierin Tina Fey konterte damals mit einer Gegenschrift, wo sie ihm das Gegenteil bewies, inklusive Conclusio zu seiner Meinung zur Schönheit und Macht des gebärenden Geschlechts: "Das ist uns scheißegal."

In den USA sind mit Fey und Amy Schumer seit Jahren zwei der wichtigsten Akteure der nationalen Comedy-Elite weiblich. So war Fey etwa lange Teil der Cast, des Autorenstabs und später Chefautorin der kultigen NBC Late-Night-Show "Saturday Night Live", produziert TV-Serien und schreibt Drehbücher und Bestseller. Amy Schumer hingegen erlangte erste große Aufmerksamkeit, als sie als Quasi-Unbekannte bei der Sendung "The Comedy Central Roast of Charlie Sheen", in der auch Ex-Boxer Mike Tyson zu Gast war, die gewalttätigen Beziehungen der beiden Männer zu ihren Frauen thematisierte. Seit 2013 hat sie mit "Inside Amy Schumer" ihre eigene Show. Ebenfalls bei Comedy Central. Ihre Skits über Sex, Feminismus und Rape Culture gelten als hochpolitisch und sind weltbekannt.

Weibliche Eroberung
des Humors


Iris Fink hält es für weitgehend undenkbar, dass in Österreich eine Frau die Witze für ein Format wie "Saturday Night Live" schreiben würde, geschweige denn die Chefautorin wäre. Sie ist Leiterin des Österreichischen Kabarett Archivs in Graz. Auf der Bühne seien Frauen seit den Achtziger Jahren zwar vorhanden, aber stark unterrepräsentiert. "Wenn eine Frau im Kabarett formal gleich qualifiziert ist wie ein Mann, dann spielt sie vor zehn bis 200 Personen und er gleich vor 600 Personen", sagt Fink und ergänzt: "Die kabarettistische A-Liga ist nach wie vor rein männlich." So war beim zweitägigen "Kabarettgipfel" in der Wiener Stadthalle Ende Jänner nur ein weiblicher Act dabei. Und auch das nur als Support. Beim Kabarettpreis "Salzburger Stier", der seit 1982 verliehen wird, gewannen in der Österreich-Kategorie in 36 Jahren vier Solo-Frauen, einmal ein Trio und einmal ein Duo. "Männer empfehlen Männer empfehlen Männer", erklärt Fink. Stichwort gläserne Decke.

Die 46-jährige Anita Zieher, die zusammen mit Kollegin und Freundin Magdalena Leeb seit fast zehn Jahren Impro-Kabarett macht, weiß, warum es so wenige Frauen in ihrem Genre gibt. "Humor ist Macht. Frauen mussten es sich erst erobern, sich überhaupt lustig machen zu dürfen. Wenn sie es dann auf die Bühne geschafft haben, werden sie besonders genau beobachtet, gar argwöhnisch betrachtet", sagt sie. Auch Hofer spricht von eingefallenen Genderrollen: "Es ist Männern vorbehalten, Dinge zu erklären - klassisches Mansplaining, laut und sichtbar zu sein, die eigene Stimme zu benutzen, auf der Bühne zu stehen, etwas in der Öffentlichkeit zu wagen." Meili erweitert die Theorie ihrer Kolleginnen: "Die Attribute, die Humor und Komik ausmachen, also derb zu sein, auch einmal unter die Gürtellinie zu gehen, politisch inkorrekt zu sein und über sich selbst zu lachen, sind keine, die man einer Frau zuschreibt. Frauen sollen hübsch und nett sein."

Obwohl Selbstironie in Kabarett und Comedy bei Frauen und Männern gleichermaßen essenziell ist, scheinen Frauen eher zu einer Art Humor zu neigen, mit dem sie sich selbst erniedrigen, durch den Kakao ziehen und an Klischees festhalten. So nehmen sie auf der Bühne etwa gerne die Rolle der verzweifelten Single-Frau mit viel zu vielen Schuhen im Regal ein und philosophieren darüber, warum sie keinen Mann finden. Alle lachen.

Es könnte der Eindruck entstehen, dass sich Frauen durch bewusste Tiefstapelei und Selbstverhöhnung weniger angreifbar machen wollen. Denn wer soll noch einen blöden Witz machen, wenn man alles schon vorweggenommen hat? "Oft ist das die persönliche Art von Humor", sagt Hofer. "Aber natürlich, Frauen entschuldigen sich eher, machen sich gerne schlechter, als sie sind. Bei Frauen wirkt Selbstironie auf das Publikum oft auch schnell frustriert. Es ist eine extrem verletzliche Position, in die man sich da auf der Bühne begibt."