Wien. (aum) Udo Janßen geht und darüber ist offenbar jeder froh. Der Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) verlasse diesen per Montag, teilte Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am selben Tag mit. Das "Vertrauen ist verloren gegangen", sagte Frauenberger über den KAV-Chef in dessen Ära der Bau des Krankenhauses Nord fällt, der von Pannen, Kostenexplosion und Verzögerungen geprägt ist. Die Wiener Ärztekammer, mit der Janßen nicht zuletzt wegen der Umsetzung der neuen Dienstzeitmodelle monatelang im Clinch lag, nahm den Abgang "mit Genugtuung" zur Kenntnis.

Der "Abgang der monatlich 24.000 Euro teuren Wehsely-Erfindung" sei "lange überfällig" gewesen, kommentierte FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus die Personalentscheidung über den Mann, der unter Frauenbergers Vorgängerin Sonja Wehsely im November 2014 seinen Job angetreten hatte. Der KAV-Chef sei "völlig überfordert" gewesen. Den Personalwechsel sieht Gudenus als Chance, das Gehalt des künftigen KAV-Direktors zu stutzen. Kein Stadt-Manager solle mehr verdienen als der Bürgermeister, also 17.000 Euro im Monat. Außerdem forderte er, dass offengelegt wird, wie viel Geld Janßen für den Abgang erhält. Über offene Ansprüche von Janßen könne sie zu diesem Zeitpunkt nichts sagen, so Frauenberger. Janßen sei ab sofort vom Dienst freigestellt, nun gehe es darum, die Auflösung des Vertrags, der noch bis 2019 gelaufen wäre, zu verhandeln.

Für ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel kann die Trennung von Janßen "nur einen ersten Schritt" in einem Neuanfang für den Wiener Krankenanstaltenverbund darstellen. "Diese Personalentscheidung darf jedoch nicht dazu führen, dass die politische Verantwortung weiterhin abgewälzt wird und dies lediglich als Manöver benutzt wird, um von eigenen Versäumnissen abzulenken", so Blümel. Frauenberger müsse nun "die notwendigen und längst überfälligen Reformmaßnahmen in der Wiener Gesundheitspolitik einleiten".

Janßen wurde
in Blitzaktion freigestellt

Glaubt man den offiziellen Angaben, so wurde Janßen in einer Blitzaktion kaltgestellt. Montagfrüh kam es zur Entscheidung, über diese wurde er anschließend in einem klärenden Gespräch informiert, kurz darauf musste er seine persönlichen Dinge aus dem Büro räumen, das er dann auch nicht mehr betreten durfte. Und das alles noch vor der für 9.30 Uhr eilig einberufenen Pressekonferenz. Die Vorgangsweise sei selbstverständlich in Übereinstimmung mit Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) getroffen worden, versicherte Frauenberger.

Interimistisch den KAV leiten werden Janßens bisherige Stellvertreter, Thomas Balazs und Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Pikant daran ist, dass mit Balasz der Projektleiter des problembehafteten KH Nord nun vorerst zum Chef avanciert. Die Probleme rund um das Spital seien aber ohnedies nicht der Grund für die Entlassung gewesen, hieß aus dem Büro Frauenberger auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". Gleichzeitig sorge die Weiterführung des KAV unter den bisherigen Stellvertretern für eine gewisse Kontinuität. Die ärztlichen Agenden in der Generaldirektion des KAV wird Michael Binder, Leiter des Health Caremanagements im KAV, vorerst übernehmen.

Warten auf
neue Organisationsform

Die Position des Generaldirektors wird ausgeschrieben, sobald die künftige Organisationsform des Krankenanstaltenverbunds feststeht, erklärte Frauenberger. Darüber, wie diese Organisation aussehen könnte, ranken sich derzeit allerlei Spekulationen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, wonach man plant, den KAV auszugliedern. Ein Vorbild aus der Vergangenheit gibt es dafür, als die MA47 ("Pflege und Betreuung") und die MA12 ("Sozialamt") aufgelöst und an ihrer Stelle der Fonds Soziales Wien gegründet wurde, der dann auch einzelne Agenden anderer Abteilungen übernahm. Im Falle des KAV soll sogar die Umwandlung in eine GmbH angedacht sein. Dies kommentierte man im Büro Frauenberger nicht.

Nach Frauenbergers Vorgängerin Wehsely verlässt mit Udo Janßen nun der zweite Entscheidungsträger im Gesundheitsbereich die Stadt Wien. Wehsely war im Jänner zu Siemens Healthcare in Deutschland gewechselt, wohin es den Deutschen Janßen nun zieht, ist nicht bekannt.