Wien. (flor) Den Austritt aus der Europäischen Union werden die Briten heute, Mittwoch, formell beantragen. Eine der vielen Konsequenzen des Brexits ist, dass die zweitgrößte EU-Behörde, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), ihren Standort in London verlassen wird.

20 EU-Staaten interessieren sich mittlerweile für die Ansiedelung der Agentur. Auch Österreich hat in den vergangenen Wochen bereits umfassende Gespräche aufgenommen. "Wir wollen diese EMA in Wien", sagte Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag in seiner wöchentlichen Pressekonferenz. Die Agentur, die für die Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln für Menschen und Tiere zuständig ist, passe sehr gut zu der bestehenden Forschungslandschaft und schaffe zudem 900 Arbeitsplätze.

"Wien war in den letzten Jahren bei internationalen Ansiedlungen gefragt wie nie", betonte Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner. Diesen Schwung wolle man mitnehmen, um die EMA davon zu überzeugen, dass Wien der beste Standort für sie sei.

Homepage für EMA-Mitarbeiter


Mit der eigens kreierten Homepage "emazingvienna.at" versucht die Stadt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EMA nun anzusprechen und für Wien zu begeistern. Denn aufgrund ihrer hohen Qualifikation sollen möglichst viele an den neuen Standort mitübersiedeln. Die Entscheidung, wohin die EMA zieht, wird allerdings einstimmig vom EU-Rat getroffen. Sie soll noch im ersten Halbjahr 2017 fallen, 2019 soll der Umzug stattfinden.

Der neue EMA-Standort muss 26.450 Quadratmeter moderner Büroräumlichkeiten aufweisen, durch eine U-Bahn sehr gut öffentlich angebunden sein, Hotelinfrastruktur in Gehdistanz aufweisen und über eine schnelle Verbindung zum Flughafen verfügen. Außerdem darf der Termin der Fertigstellung nicht nach 2019 liegen.

Um der EMA verschiedene Bürogebäude anzubieten, hat die Stadt externe Immobilienexperten mit der Suche nach geeigneten Immobilen beauftragt. Sechs Neubauten und zwei historische Bauten sind in der Endauswahl:

Das Haus des Wiener Bankvereins in der Schottengasse im ersten Bezirk dient derzeit noch der Bank Austria als Zentrale. Wegen der Übersiedlung in den Neubau am Praterstern wird es geräumt und ist ab 2019 verfügbar. Es liegt direkt an der U-Bahn-Station Schottentor.

Das Gebäude der Postsparkasse von Otto Wagner am Georg-Coch-Platz im ersten Bezirk wird 2018 frei, da die Bawag PSK in ihre Zentrale am Hauptbahnhof übersiedelt. Auch dieser Standort ist mit den Linien U3 (Stubentor) U1 und U4 (Schwedenplatz) sehr gut öffentlich angebunden.

Auch das mit 84 Metern Höhe größte Holzhaus der Welt in der Seestadt Aspern soll der EMA angeboten werden. Es ist an die U2 (Seestadt) angebunden und soll bis 2018 fertiggestellt werden.

In die Endauswahl hat es zudem das Büroprojekt Square Plus in der Muthgasse im 19. Bezirk geschafft. Das Gebäude liegt an der U4 (Heiligenstadt) und soll Anfang 2019 bezugsfertig sein.

Das Quartier Belvedere Central 2A und 2B am Wiedner Gürtel liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes und ist somit direkt an den Flughafen angebunden. Sportmöglichkeiten und Museen (Belvedere, 21er Haus) finden sich in unmittelbarer Nähe. Es soll bis März 2019 fertiggestellt werden.

Ebenfalls in der Nähe des Hauptbahnhofes liegt der Icon Vienna - Tower 88. Er verspricht eine belebte Sockelgeschoßzone, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie und soll ab April 2018 beziehungsweise Anfang 2019 bezugsfertig sein.

Auch der Austria Campus in der Walcherstraße im 2. Bezirk verfügt über eine direkte Verbindung zum Flughafen und eine gute öffentliche Anbindung durch den Praterstern. Auf dem Campus, der künftig die Bank-Austria-
Zentrale beherbergen wird, werden auch ein Hotel, Geschäfte und ein Konferenzzentrum entstehen. Die geplante Fertigstellung ist im März/April 2018 geplant.

Schon Anfang 2018 bezugsfertig ist das Gebäude VIE26/VIE auf der Erdbergerlände. Es liegt nahe der Autobahn und ist durch die U3-Station Kardinal-Nagl-Platz öffentlich angebunden.