Insgesamt habe sich die Lesbenszene in den vergangenen 15 Jahren sehr verändert, erzählt auch Müller. Mit dem Kampf um Anerkennung ging oft auch eine scharfe Abgrenzung durch ein markantes Äußeres einher. "Butch-Lesben" nennt man die sehr maskulin auftretenden Lesben mit markanten Kurzhaarschnitten.

Heute gebe es viele auch sehr feminine lesbische Frauen. Diese werden allerdings, selbst wenn sie Händchen-haltend durch die Straßen gehen, oft nicht einmal als lesbisch gelesen, so Müller. Sie erfahren auch weniger offene Diskriminierung und Aggression als eben etwa zwei Butch-Lesben. Dennoch sind sie aber massiven Ungleichbehandlungen ausgesetzt.

Worin liegt aber nun konkret die Diskriminierung lesbischer Frauen? "Lesben erfahren Mehrfachdiskriminierung: Einerseits als Frauen - Stichwort: gender pay gap - und zusätzlich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung", sagt Müller. Lesbische Frauen würden oft nicht ernst genommen - und ihre Sexualität herabgewürdigt.

Während schwule Männer in Österreich bis in die 1970er Jahre hinein für das Ausleben ihrer Sexualität inhaftiert werden konnten, war Frauen lesbische Sexualität zwar erlaubt, sie wurde aber als "gegenseitige Hygienehandlungen" klassifiziert, so Tulipan. "Das war ein Kleinmachen. Na gut, ihr dürft das, aber wenn ihr das macht, ist es keine Sexualität." Diese Haltung sei bis heute zu spüren. Dem stimmt auch Dziedzic zu. Schwule Männer würden in der Gesellschaft als größere Bedrohung gesehen. Bei lesbischen Frauen schwinge oft mit, "die kann man ja vielleicht noch hinbiegen".

Kaum
Role Models


Vielleicht ist auch darauf der Umstand zurückzuführen, dass sich weniger Frauen in Top-Positionen als homosexuell outen als Männer (wobei es eben auch weniger Frauen als Männer in Führungspositionen gibt). Damit gibt es auch weniger Role Models.

"Wer fällt uns denn ein?", fragt Müller. Die Runde denkt nach. Am Ende fällt der Name Ulrike Lunacek. Müller fällt ein, "da gibt es diese Schispringerin". Tulipans Replik: "Ja eben, diese Schispringerin." Schließlich ist doch der Name gefunden - Daniela Iraschko-Stolz. Dass kaum lesbische Frauen in der Bevölkerung breiter bekannt seien, hängt für Dziedzic damit zusammen, "dass man es sich einmal leisten können muss, das Private politisch zu leben. Viele Frauen können sich das nicht leisten, sei es, dass sie in irgendwelchen Abhängigkeitsverhältnissen sind, sei es, dass sie Angst haben vor Diffamierung, vor Diskriminierung, sei es, weil sie es als Frau eh schon schwieriger haben, die gläserne Decke zu durchbrechen. Und dann hängt man sich nicht noch eine Diskriminierungskategorie um."