Erste europaeische Lesbische Konferenz Initiatorinnen Dagmar Strauss, Mariella Mueller, Ewa Dziedzic und Michaela Tulipan (v. l. n. r.). - © Stanislav Jenis
Erste europaeische Lesbische Konferenz Initiatorinnen Dagmar Strauss, Mariella Mueller, Ewa Dziedzic und Michaela Tulipan (v. l. n. r.). - © Stanislav Jenis

Wien. Viele Lesben fühlen sich im Rahmen der LGBTI-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Intersexual Persons) nicht ausreichend vertreten. Auch dort gebe es eine patriarchale Struktur, meinen lesbische Aktivistinnen wie Michaela Tulipan, Dagmar Strauss, Ewa Dziedzic und Mariella Müller. Lesben seien dadurch weniger sichtbar als schwule Männer.

Das führe dazu, dass auch ihre Anliegen weniger ernst genommen würden und Diskriminierungen an der Tagesordnung seien. Mehr Bewusstsein soll nun eine erstmals im kommenden Oktober veranstaltete Konferenz europäischer Lesben in Wien bringen. Das Ziel: mehr Sichtbarkeit und Empowerment.

Sichtbar wird die stiefmütterliche Behandlung von Lesben zum Beispiel beim europäischen Dachverband für Lesben, Schwule Bi-, Trans- und Intersexpersonen ILGA. Von rund 500 hier zusammengeschlossenen Vereinen seien gerade einmal drei lesbisch, betont Müller. Über Jahre habe es bei der jährlichen Konferenz keinen einzigen spezifischen Lesbenworkshop gegeben. Bei der bisher letzten Tagung vergangenen Herbst in Nikosia (Zypern) gab es schließlich doch einen solchen Workshop, an dem auch Müller teilnahm. Der Tenor: "Wir wollen jetzt nicht mehr nur darüber sprechen, wo wir stehen, sondern wir wollen etwas tun."

Zurück in Wien gründete Müller gemeinsam mit anderen Lesben-Aktivistinnen wie eben Tulipan und Dziedzic den in Österreich angesiedelten Verein "European Lesbian* Conference" (EL*C). Er organisiert gemeinsam mit einem internationalen Team von Frauen aus Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz, Moldawien, Rumänien, Mazedonien, Albanien und Serbien von 6. bis 8. Oktober im Donauhof Wien in der Leopoldstadt den gleichnamigen Kongress. Langfristige Ziele sind aber auch die Gründung eines Europäischen Lesbendachverbands, die bessere Vernetzung von Lesben, die Einrichtung einer Expertinnendatenbank und die Erstellung eines Jahrbuches.

Bis zu 400
Teilnehmerinnen erwartet


Rund 300 bis 400 Teilnehmerinnen erwarten die Organisatorinnen im Oktober in Wien. "Dabei geht es auch darum, sich zu zeigen, präsent zu sein und anderen lesbischen Frauen Mut zu machen", meint Strauss. Experten gehen davon aus, dass fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell sind.

Umgelegt auf Wien hieße das, dass es zwischen 45.000 und 90.000 lesbische Frauen gebe. Wobei Lebenskonzepte und das Ausleben von Sexualität heute immer fluider werde, wie Dziedzic betont: Manche Frauen seien ihr ganzes Leben lesbisch, andere hätten sowohl heterosexuelle als auch lesbische Beziehungen.