Wien. Der Nationalrat hat am Donnerstag die Bildungsreform beschlossen, die auch das Schulautonomiepaket beinhaltet. Künftig sind Direktoren für die Ressourcenverteilung verantwortlich. "Kommen die Mehrstufenklassen durch die Schulautonomie unter die Räder?", fragt sich Luzia Bäck, die vor 20 Jahren die Mehrstufenklassen mitinitiiert hat.

"Wiener Zeitung": Die Mehrstufenklassen sind in Wien seit 20 Jahren ein Schulversuch. Müssten Sie sich nicht freuen, dass das Modell ab Herbst durch die Reform in das Regelschulsystem aufgenommen wird?

Luzia Bäck: Wien hat viele Schulversuche, die über eine lange Periode laufen, wie beispielsweise die alternativen Leistungsbeurteilungen. Wir waren damals über den Schulversuch sehr erfreut. Dadurch wurde uns bei den Mehrstufenklassen eine zweite Lehrkraft mit 18 Stunden bewilligt. Derzeit sind es nur noch 11 Stunden, was für uns das absolute Minimum ist. Meine Erfahrungen zeigen, dass, wenn ein Schulversuch in das Regelschulsystem übergeleitet wird, die Bedienungen schlechter werden.

Sie befürchten, dass die Schulautonomie Auswirkungen hat?

Ich frage mich, ob beim Verteilen der Ressourcen innerhalb der Schule Neid und Missgunst regieren wird. Die Machtkonzentration wird künftig bei einer Person, sei es bei der Direktorin oder beim Direktor, liegen - ohne Mitsprache von Lehrern und Eltern. Das halte ich für einen Stolperstein. Ich denke, dass Basisinitiativen, die von Lehrern ins Leben gerufen werden, so wie es bei den Mehrstufenklassen der Fall war, vom Goodwill der Leitung abhängig sein werden.

Wird es einen Kampf um die Ressourcen geben?

Ja, das befürchte ich. Denn die Frage, wie man Ressourcen an einer Schule verteilt, ist eine haarige Geschichte. Nach welchen Kriterien wird der Schulkaiser agieren? Ein Verhandlungserfolg im zähen Ringen um die Reform ist das Bekenntnis zum sogenannten Chancenindex. Dieser soll nach einheitlichen, transparenten Kriterien mehr Lehrpersonalressourcen dorthin fließen lassen, wo sie aufgrund von Schülerströmen, Förderbedarf, sozio-ökonomischen Hintergründen und im Alltag gebrauchter Sprache vermehrt nötig sind. Auch spezielle Bildungsangebote, die eine Schule bietet, werden als Kriterien genannt. Da sehe ich Mehrstufenklassen auf jeden Fall gemeint. Leider sind derzeit genauere Angaben nicht bekannt, aber es muss sich hier in Wien etwas bewegen. Da ist der Bedarf einfach am größten.