Wien. (mad) Für den syrischen Flüchtling Hasan Al Kassier war der Bescheid über seinen subsidiären Schutz wie ein Geschenk, denn damit hat er die Möglichkeit, Arbeit zu suchen. Denn nur Asylberechtigte, also anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte, haben einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt.

Anders Asylwerber: Für sie gibt es eigentlich keine Möglichkeit zu arbeiten. Eigentlich, denn nach drei Monaten im Verfahren ist Arbeit doch eingeschränkt möglich: nach einer Prüfung des AMS als Saisonarbeiter, als Selbständiger und als Lehrling.

Saisonarbeit spielt in Wien keine Rolle. Zwar gibt es laut Michaela Lobner, Leiterin der Abteilung für Ausländerbeschäftigung, aktuell österreichweit 3616 Saisonarbeitsplätze im Sommertourismus, der Land- und Forstwirtschaft und als Erntehelfer, 365 davon für Asylwerber. In Wien aber gibt es überhaupt nur 105 Saisonniers, darunter keine Asylwerber.

Solche, die jünger als 25 Jahre alt sind, können in Ausnahmefällen eine Lehre machen: Wenn kein anderer dafür zur Verfügung steht und in Mangelberufen. In Wien sind das exakt 24 Berufe, darunter etwa Koch, Friseur oder Mechatroniker - die vollständige Liste gibt es auf www.fachkraeftepotenzial.at. Im Moment gibt es österreichweit 523 Beschäftigungsbewilligungen für Lehrlinge, mehr als die Hälfte im Gastgewerbe und 38 davon in Wien.

Ein weiterer Weg, Geld zu verdienen, ist die Selbständigkeit: Über den Dienstleistungsscheck dürfen Asylwerber einfache haushaltstypische Dienstleistungen bis zur Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 425,70 Euro bei Privatpersonen verrichten. Aber auch als Gewerbetreibender mit allen dafür notwendigen Papieren oder als neuer Selbstständiger dürfen Asylwerber arbeiten. "Zum Beispiel einen Kleinstimbissstand betreiben", sagt Thomas Lang von der Bildungsberatung der Caritas Wien. "Das kommt in der Praxis aber kaum vor, "denn da braucht man Kapital."

Asylwerber müssen auf Freibeträge achten


Bei alle Arten von Einkünften gibt es einen Freibetrag: In Wien 110 Euro pro Person, bei Alleinverdienern erhöht sich der Betrag um 80 Euro pro Kind oder Ehepartner. Ist das Einkommen höher, prüft der Fonds Soziales Wien in jedem Einzelfall, ob man weiterhin Grundversorgung und Wohnraum braucht — und behält zumindest einen Unkostenbeiträge ein. Wichtig für Asylwerber: Das regelt jedes Bundesland anders.

Häufiger sind gemeinnützige Hilfstätigkeiten für Bund, Länder oder Gemeinden. In Wien arbeiten aktuell rund 350 Asylwerber in Magistraten oder Unternehmen der Stadt und reinigen beispielsweise Straßen, archivieren oder unterstützen Flüchtlingsberater. Hierfür ist in Wien ein Freibetrag von 200 Euro vorgesehen.