Wien. (alp) In Venedig gehören sie zum allgemeinen Kulturgut. Für romantische Gondelfahrten im Kerzenschein greifen Stadtbesucher tief in die Tasche. Doch was in der italienischen Stadt fixer Bestandteil des öffentlichen Raums ist, wird in Wien versteckt gehalten. Dabei durchfließen auch hier zahlreiche Gewässer die Stadt.

Unterirdisch schlängeln sie sich von ihren Quellen im Wienerwald durch dicht bebautes Gebiet in Richtung Donaukanal. An der Oberfläche lassen nur noch die Straßennamen ihre Existenz erahnen. Darunter die Alserbachstraße, Ameisbachzeile, Krottenbachstraße (siehe Karte).

Abkühlung durch Freilegung von Wiener Wald Bächen

Doch wie würde Wien aussehen, wenn diese Bäche noch an der Oberfläche fließen würden? Sind Wiener Gondoliere vorstellbar? Wahrscheinlich nicht. Heurigenmusik und "O sole mio"-Einlagen sind unvereinbar. Würde man die Bäche aufbrechen, hätte es - neben einer Aufwertung des Stadtbilds - jedoch garantiert Auswirkungen auf das Mikroklima. Menschen, die gerne über die Hitze jammern, müssten sich dann ein neues Thema suchen.

Zuletzt forderten die Grünen, dass die Bäche an die Oberfläche geholt werden sollen. Rüdiger Maresch, Umweltsprecher der Grünen, verweist auf Städte wie Salzburg oder das italienische Trento, wo an der Oberfläche - künstliche - Bäche für Abkühlung sorgen. Bei Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) ist das derzeit aber kein Thema. Gerald Loew, Leiter der MA45 (Wiener Gewässer), verweist auf den wirtschaftlichen Aufwand einer Offenlegung. Die Bäche aus dem Wienerwald würden derzeit in das Kanalsystem geleitet werden, von dort durchlaufen sie die Kläranlage, um in den Donaukanal abgeleitet zu werden. Die Freilegung der Bäche würde aus hygienischen Gründen die Trennung von diesem Kanalsystem verlangen.

Wer auf dem Wasser durch die Stadt schippern möchte, muss daher bis auf Weiteres nach Venedig fahren.