Wenn Daten gehandelt werden


Im besten Fall wird nur - wie es derzeit bereits geschieht - maßgeschneiderte Werbung zugeschickt. Im Fall der Frau wäre das nach ein paar Monaten die neueste Windel-Aktion. In der futuristischen Horrorvision, in der alles digital abläuft, werden diese Daten auch gehandelt. Sie gelangen frühzeitig in die Hände ihres Arbeitgebers, der sie dann noch vor dem offiziellem Attest feuert.

Eine andere Sorge ist, dass man künftig den Geldinstituten vollkommen ausgeliefert wäre. Gibt es kein Bargeld mehr, ist man gezwungen, irgendjemanden mit der digitalen Aufbewahrung zu beauftragen. Doch was, wenn die Banken beschließen, Negativzinsen einzuheben? Dann kommt Argentinienfeeling aus der Jahrtausendwende auf. Abheben kann man dann nichts mehr. Während das Geld vor den eigenen Augen immer weniger wird, sind die Optionen beschränkt: Entweder das Geld so schnell wie möglich ausgeben - was sicherlich die Wirtschaft freut, oder anlegen, was je nach Wahl mit niedrigen bis hohen Risiken verbunden ist. Die Krönung wäre es, wenn das Geldinstitut bankrott geht und damit das ganze dort verbuchte Geld auch futsch ist.

Den Gefahren zum Trotz zeigt der Trend klar in die bargeldlose Richtung. In Schweden schätzt man, dass in acht bis neun Jahren die letzte greifbare Krone über den Ladentisch gehen wird. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, glaubt, dass schon in zehn Jahren Bargeld nicht mehr existieren wird. Es sei so fürchterlich "ineffizient".

"Die Frage, ob Bargeld abgeschafft wird, ist nebensächlich", erklärt wiederum Gerald Gruber, Chef von Mastercard Österreich. Firmen wie die seine, die in den Zahlungsverkehr eingebunden sind, müssen lediglich auf Entwicklungen reagieren, die unaufhaltsam scheinen. In Schweden beginnt sich das Verhältnis zwischen barem und bargeldlosem Zahlungsverkehr bereits umzukehren. Manche Geschäfte akzeptieren gar kein Bargeld mehr, auch Fahrscheine können nur noch mit digitalem Geld erworben werden. Und dies ist nicht etwa staatlich verordnet. Es ist das, wonach es die Kunden verlangt. Studien zeigen: Je jünger, desto affiner zum bargeldlosen Zahlen.

Österreicher sind da noch konservativ. Zu 89 Prozent begleichen sie ihre Rechnungen mit Bargeld (Stand 2015) - das ist EU-Rekord. Doch der generelle Trend in Europa ist auch hier zu spüren. Im Allianz Stadion in Wien kann man nur noch bargeldlos zahlen. Selbiges galt fürs Nova-Rock-Festival. Im Mai hat in Graz ein Bäcker das erste bargeldlose Geschäft Österreichs eröffnet. Der wachsende Online-Handel ist ohnedies nur bargeldlos zu bewerkstelligen.

Mastercard passt sich dieser Realität mit der Entwicklung neuer Apps und sichererer bargeldloser Zahlungsmethoden an. Im digitalen Handel muss es so sicher und so praktisch wie irgend möglich zugehen. "Wenn ich es nicht schaffe, die Zahlung reibungslos zu machen, verliere ich Kunden", erklärt Gruber. Derzeit laufen die Zahlungen noch über Passwort und Code. Das wird bald nicht mehr reichen. Die Zukunft gehört Apps mit biometrischen Daten - dem Bargeld wohl eher nicht.