Wien. Vor allem in Debatten rund um sogenannte Islam-Kindergärten ist die Stadt Wien wiederholt in die Kritik geraten - nicht zuletzt auch deshalb, weil die religiöse Ausrichtung privater Träger nicht verpflichtend erhoben wurde. Das ändert sich nun: Bei allen Neugenehmigungen müssen Betreiber, die eine spezifische Glaubensrichtung lehren, diese klar angeben. Bestehende müssen die Infos nachreichen, erklärte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) am Montag.

Diese Bestimmung ist Teil des neuen Religionsleitfadens für Kindergärten, der im Rathaus in den vergangenen Monaten erarbeitet wurde, sowie einer Novelle des Kindergartengesetzes, das in Kürze in Begutachtung geht und Anfang 2018 in Kraft treten soll. Außerdem müssen sich alle Einrichtungen in ihren Leitbildern und Konzepten, aber auch im Betreuungsalltag an vier Grundsätze halten: den demokratischen Rechtsstaat, die Gleichstellung von nicht religiösen und religiösen Menschen bzw. Menschen unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit, die Gleichberechtigung der Geschlechter und die "Offenheit und Dialogbereitschaft gegenüber der Pluralität der Gesellschaft".

Im Zusammenhang mit Islam-Kindergärten haben Integrationsministerium und Stadt Wien außerdem schon im Vorjahr eine Studie in Auftrag gegeben, bei der auch der umstrittene Islamforscher Ednan Aslan mitwirkt. Laut Czernohorszkys Sprecherin sollen die Ergebnisse noch vor der Nationalratswahl (15. Oktober) der Öffentlichkeit vorgestellt werden.