Helene Pattermann und Annemarie Miesbauer leben (fast) müllfrei. - © Michael Kimmel
Helene Pattermann und Annemarie Miesbauer leben (fast) müllfrei. - © Michael Kimmel

Wien. "Klopapier", lacht Annemarie Miesbauer, "das war mein Problem-Moment." Als sich die 28-jährige Volksschullehrerin und Freizeit-Bloggerin entschloss, "Zero Waste" zu leben und damit keine Produkte zu kaufen, mit denen sie Müll produziert, hatte sie die größte Mühe unverpacktes Klopapier zu finden. "Ich habe mich schließlich für waschbare Stofftücher entschieden, aber das war eine sehr große Überwindung", erzählt Miesbauer aus ihrem müllfreien Alltag.

"Ein Jahr im Glas" nennt sie ihr Vorhaben. Das erklärte Ziel: Der schier unvermeidliche Restmüll eines Jahres soll in einem Einmachglas Platz haben. Ausschlaggebend für Miesbauer war eine Dokumentation über Müll und dessen Auswirkungen auf die Umwelt. "Der Fernseher ging aus und bei mir hat es klick gemacht. Ich wollte meinen Beitrag leisten und etwas verändern", erzählt die Bloggerin. Daraufhin hat sie langsam begonnen, ihren Lebensstil anzupassen und das auch auf ihrem Blog festzuhalten. "Immer wenn etwas im Haushalt aufgebraucht war, griff ich zu einer Alternative, die plastik- und müllfrei war", berichtet die Wienerin von ihrem Projekt.

Als nach rund einem Jahr alle verpackten Produkte verwendet waren, hat sie ihr "Jahr im Glas" gestartet. Damit verfolgt Miesbauer einen konsequenten Lebensstil, der immer mehr Anhänger in Wien findet. Denn "Zero Waste" zu leben und dabei so wenig (Rest-)Müll wie möglich zu erzeugen, ist Trend.

Das weiß auch Helene Pattermann, Gründerin von "Zero Waste Austria". "Die Online-Plattform soll ein Sprachrohr sein und gleichzeitig die Community vernetzen", sagt die zweifache Mutter. Sie beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit Müll- und Lebensmittelverschwendung. "Ich habe mich schon während meinem Landwirtschafts-Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien sehr für dieses Thema interessiert und damals verpackungsfreies Waschmittel und Getreide im Universitätsshop, Tüwis Hofladen, verkauft", erzählt Pattermann.

Im Jahr 2013 hat Pattermann dann das erste Mal bei "Zero Waste Jam" mitgearbeitet. "Bei diesem Projekt wird Obst und Gemüse verkocht, das ansonsten in den Müll wandern würde", sagt die zweifache Mutter. Zwei Jahre später begann sie mit ihrer ersten Vortragsreihe zum Thema "Zero Waste" und sprach auch Themen wie Mode- und Lebensmittelverschwendung an.

Minimalistisches Leben


Die engagierte Wienerin versucht, auch bei Kindern das Bewusstsein für Müllverschwendung zu stärken, und rief kurzerhand das Projekt "Zero Waste Kids" ins Leben. Dabei geht Pattermann in Schulen und zeigt Kindern, wie am besten auf Müll verzichtet werden kann. "Ich nehme meine Wurmkiste mit, in der Bioabfall durch Würmer kompostiert wird, und das fasziniert die Kinder immer sehr. Sie sehen, dass aus Müll etwas Neues entstehen kann", so Pattermann.