Das sieht ein Besucher anders: "Da kommen die Süchtler aus den Toiletten und setzen sich im Laternenlicht die Spritze an. Bei solchen Sachen bringt es nichts, sich selbst zu belügen." Entgegengesetzte Ansichten auf einen Nenner zu bringen, bleibt auch die Schwierigkeit beim zweiten Teil der Veranstaltung. Mit der Workshop-Methode World-Café wollen die Veranstalter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach den Vorträgen die Möglichkeit geben, in kleineren Gruppen zu den vier verschiedenen Themen bezüglich Gestaltung und Nutzung von Otto-Bauer-Gasse und Loquaipark zu diskutieren.

Neben den zwei Tischen im hinteren Bereich gibt es auch seitlich der Bühne etwas versteckt zwei Thementische, auf die die Leute sich nun verteilen sollen und wo die Diskussionen von Zwopk-Mitarbeitern moderiert werden. Experten verschiedener Magistrate stehen für die Beantwortung spezieller Fragen zu Verfügung. Erwartungsgemäß am größten ist das Interesse an der Verkehrslage in der und um die Otto-Bauer-Gasse. Am entsprechenden Tisch hat sich eine Menschentraube gebildet, von der auch viele nach dem Ertönen des Signals, nach 15 Minuten den Tisch zu wechseln, hängen bleiben. Punkte wie Parkplätze oder Missachtung der Verkehrsregeln durch Autofahrer und Radfahrer werden hitzig, aber konstruktiv diskutiert. Für Elisabeth Kattinger, die Klubvorsitzende der Neos, ist die Veranstaltung ein voller Erfolg: "Moderne Politik geht von unten nach oben und nicht umgekehrt. Und wie man sieht, nehmen die Leute das an."

Diskussionen noch bis Ende Jänner 2018

Noch bis Ende November läuft die Konzeptentwicklung zu der die Grätzlkonferenz und das "offene Büro" von Zwopk zählen. Dort konnten bis 21. November noch Anliegen deponiert werden. Im Dezember und Jänner sollen in einer dritten Phase in einer zweiten Grätzlkonferenz, ebenfalls wieder verbunden mit einem "offenen Büro", Konzepte und Varianten erneut diskutiert werden. Den Abschluss bildet schließlich die Präsentation und Diskussion des Endergebnisses in der Phase "Leitbild" im Februar und März 2018. Wie lang es dauert, bis konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, ist noch unklar - im Vortrag ist die Rede von fünf bis zehn Jahren. Leo Kohlbauer, Bezirksparteiobmann der FPÖ Mariahilf, übt Kritik an diesem offenen Vorgehen: "Bei so einer Vorgehensweise können unliebsame Themen unterdrückt werden. Besser wäre ein Fragebogen an alle Anrainer gewesen, der dann ausgewertet wird und dessen demokratisches Ergebnis umgesetzt wird." Gerhard Hammerer, Bezirksparteiobmann der ÖVP Mariahilf, ergänzt: "Für diese unklaren Ergebnisse hätte es keine Agentur gebraucht." Werner Haslauer, Bezirksrat der Grünen Mariahilf, sieht hingegen gerade in der Unklarheit eine Bereicherung: "Alle Menschen, die das betrifft, haben zuerst einmal das Recht, dass man sie anhört und ihnen nicht nur einen ,Ja-Nein-Weiß nicht‘-Fragebogen schickt." Bezirksvorsteher Markus Rumelhart bringt noch ein Argument: "Es geht darum, Selbstreflexion anzuregen. Was will ich? Was wollen die anderen? Und wie kann man das auf einen Nenner bringen?"