Uschi Lichtenegger will mit einer neuen Praterstern-Website Öffentlichkeit schaffen. - © Stanislav Jenis
Uschi Lichtenegger will mit einer neuen Praterstern-Website Öffentlichkeit schaffen. - © Stanislav Jenis

Wien. Es war eine Zitterpartie, wenn auch mit unterschiedlichem Ausgang. Während die Bundes-Grünen den Sprung bei den Nationalratswahlen nicht geschafft und laut Wählerstrom-Analyse mehr als 160.000 Stimmen an die SPÖ verloren haben, haben die Leopoldstädter Bezirksgrünen von den Stimmen der Roten profitiert. Besser gesagt, von jenen Stimmen, die bei der Wiederholung der Bezirksvertretungswahl im Jahr 2016 nicht abgegeben wurden. Die SPÖ erlitt schwere Verluste und musste den Bezirksvorsteher an die Grünen abgeben. Vor einem Jahr wurde Uschi Lichtenegger als Leopolstädter Bezirksvorsteherin angelobt.

"Wiener Zeitung":Ihr erstes Jahr verlief nicht ohne Kritik - vor allem, was den Praterstern und die Praterstraße betrifft. Im September des Vorjahres haben die Grünen die SPÖ nach 70 Jahren vom Thron gestürzt. Haben Sie ein schweres Erbe angetreten?

Uschi Lichtenegger: Der Antritt war schwer, aber die Leopoldstadt ist ein so toller Bezirk. Ich wohne auch sehr gerne hier und bin auch stolz, in diesem Bezirk Bezirksvorsteherin zu sein.

Neubau ist seit 16 Jahren in grüner Hand, diese Woche wird ein neuer grüner Bezirkschef in Neubau gewählt. Wird es Ihr grüner Kollege leichter haben, als Sie es in der Leopoldstadt gehabt haben?

Natürlich, in Neubau wird es eine Amtsübergabe geben. Ich hatte keine. Es waren bei meinem Amtsantritt keine Computer und nicht einmal E-Mail-Adressen vorhanden. Mir geht es aber in erster Linie um die Leopoldstadt. Wir haben mit dem Nordbahnhof ein Stadtentwicklungsgebiet mit tausenden neuen Wohnungen, wir haben die Gründerzeitviertel, wir haben die Herausforderung, dass wir die Praterstraße sanieren.

Was sind für Sie die größten Baustellen im Bezirk?

Ich würde es nicht als Baustellen bezeichnen, da Baustellen immer einengen. Wir haben in Bezug auf die Praterstraße, die Chance, in Ruhe zu planen. Bei der Bürgerbeteiligung sind mehr als 500 Ideen eingetroffen, die jetzt alle bei den Fachdienststellen liegen, wo eruiert wird, was wir davon umsetzen können. Wir können mit der Umsetzung aber frühestens 2019 beginnen, da Österreich ab Juni den EU-Ratsvorsitz innehat und ab Juni nichts mehr gebaut werden darf.

Sie haben betont, dass Ihnen bei der Praterstraße Mehrwert wichtig ist. Mehrwert für die Radfahrer oder für die Autofahrer?

Mehrwert für die Anrainer, die hier wohnen und für die Unternehmer. Es geht nicht darum, den Autofahrern etwas wegzunehmen.

Ist es nun fix, dass es zukünftig nur eine Fahrspur pro Richtung geben wird?

Nein, ist es nicht. Aber darum geht es überhaupt nicht. Es geht um den Prozess, gemeinsam mit den Bürgern, eine Straße zu entwickeln. Man muss sich wohlfühlen und darf nicht nachts von den Autos, die mit 70 oder 80 Stundenkilometern durchpreschen, geweckt werden.