Wien. Der SC Wiener Viktoria fällt ein wenig aus der Reihe: Der Meidlinger Fußballverein setzt sich für Sozialprojekte ein - was für einen Sportverein nicht alltäglich ist. Aber weiters ungewöhnlich ist der neue Hauptsponsor. Der Fußball-Viertligist wird seit November von dem Cannabisproduzenten "Flowery Field" gesponsert - das Unternehmen produziert 25.000 Hanfstecklinge pro Woche.

Mit dem Sponsoring ist die Finanzierung für das nächste Jahr gesichert. 30 Prozent des Geldes fließen in die Sozialprojekte der Wiener Viktoria, die unter anderem in den Wintermonaten die Sportkabinen als Notschlafstelle für Obdachlose öffnet. Cheftrainer des SC Wiener Viktoria ist Toni Polster. Ob sich die 53-jährige Fußball-Legende jetzt für eine Cannabis-Freigabe starkmacht, verrät Polster im Interview. Und auch, ob, und wenn ja wie, Fußball und Cannabis zusammenpassen?

"Wiener Zeitung": Wie geht es Ihnen als Cheftrainer, wenn Sie bei der Präsentation des neuen Hauptsponsors den Wimpel des SC Wiener Viktoria auf einer Hanfpflanze sehen?

Toni Polster: Uns ist bewusst, dass ein Cannabisproduzent ein sehr ungewöhnlicher Sponsor ist. Aber wir haben mit dem Verkauf von Hanfstecklingen an Erwachsene kein Problem.

Passen Fußball und Cannabis Ihrer Meinung nach zusammen?

Solange sich das Unternehmen an die Auflagen und an die Gesetze hält, ist es für uns total OK. Es ist auch für unseren Sozialverein ein Mehrwert, denn wir können unsere Sozialprojekte jetzt vorantreiben.

Ihnen und dem Verein ist es wichtig, dass sich das Unternehmen an die Gesetze hält, das haben Sie mehrfach betont. Sollte die gesetzliche Lage in Österreich geändert werden bzw. ist Toni Polster jetzt ein Cannabis-Botschafter, der sich für die Legalisierung einsetzt?

Nein, ich bin Fußballtrainer und das mit Leib und Seele, und ich bin kein politischer Aktivist. Die Diskussion überlasse ich den Experten. Aber ich weiß aus meiner Arbeit mit den Jugendlichen, dass ein Verbot kein Schutz vor Missbrauch ist. Die beste Prävention ist Sport und sozialer Rückhalt.

Der SC Wiener Viktoria ist in Österreich der erste und einzige Verein, der von einem Cannabisproduzenten gesponsert wird. Wäre das auch was für die Bundesliga?

Solange die Gesetze eingehalten werden, glaube ich, dass es kein Problem sein könnte.

Welches Sponsoring würden Sie als Cheftrainer ablehnen?

Bei einem Fußballverein ist das immer eine Überlegung. Ich glaube nicht, dass es gut wäre, wenn wir für ein Bordell werben würden. Es wäre nicht passend, wenn die Kinder mit den Namen eines Bordells herumrennen würden. Das würden wir absolut nicht machen.