Wien. "Flüchtlinge, die in Wien sind, sind gar keine Flüchtlinge mehr. Das sind ja jetzt Wienlinge." Dieses Zitat der sechsjährigen Sophie hängt als Plakat gestaltet über einem der drei Arbeitsplätze. Es ist nur ein kleiner Raum. Doch es gibt genug Platz zum konzentrierten Arbeiten, Tisch und Sofa für Besprechungen sowie eine kleine Bibliothek, die bis jetzt noch recht leer ist.

Titel wie "Wege zur Integration" oder die Broschüre "Sprache und Macht" finden sich dort, aber auch Thilo Sarazzins "Deutschland schafft sich ab". Man müsse wissen, wogegen man argumentiere, erklärt Hikmet Kayahan. Er ist Koordinator des "Bündnis für Menschenrechte & Zivilcourage" und als dieser auch verantwortlich für das "Antirassismus Zentrum Wien". Ein Raum, der ab Jänner 2018 nicht nur als Infrastruktur für antirassistische Projekte, sondern auch als Support-System agieren will.

Infrastruktur und Support

Kaffeehäuser, Küchentische und Kellerlokale. An diesen Orten finden Besprechungen zu geplanten Projekten und Initiativen viel zu oft statt. Als mühsam bezeichnet Kayahan diesen Zustand und will ihn mit dem "Antirassismus Zentrum Wien" nun ändern. "Unterschiedliche Projekte können hier arbeiten, ihre Materialien haben Platz, sie können Besprechungen abhalten. Diese Infrastruktur wollen wir zur Verfügung stellen. Es soll eine Art Homebase für antirassistische, antifaschistische, aber auch antihomophobe Initiativen sein", erklärt Kayahan die Motivation hinter dem "Antirassismus Zentrum Wien".

Gleichzeitig soll ein Projektmanagement-Support-System aufgebaut werden, denn das fehle für kleine Initiativen bis dato in Wien. Konkret bedeutet das: Menschen mit Projektideen erhalten Unterstützung bei Budget, Konzepterstellung, Förderungen oder bei personellen Ressourcen. In diesem Sinne soll auch ein Netzwerk entstehen. Dafür sind monatliche Vernetzungstreffen geplant - als eine Art Projektbörse.

Antirassismus-Arbeit soll so nicht nur einen Raum finden, sondern die einzelnen Kräfte auch gebündelt werden. Viel zu oft fehle es an der Zusammenarbeit, wertvolle Ressourcen gingen verloren. "Gerade jetzt ist es eine gute und notwendige Zeit, um das zu ändern", ist sich Kayahan mit Blick auf die neue Regierung sicher.

Statistiken bestätigen den Eindruck, dass das gesellschaftliche Klima in Österreich rauer wird: Laut Verfassungsschutz steigt die Anzahl rassistischer und rechtsextremer Taten stark an. Wurden 2014 noch 750 Tathandlungen vom Verfassungsschutz als rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch oder islamophob eingestuft, waren es 2015 insgesamt 1156 und im vergangenen Jahr 1313. Auch die Antirassismus-Organisation Zara dokumentiert jährlich mehr rassistische Fälle.