Im Jahr 1978 entstand das erste Frauenhaus in Wien. - © fotolia/Gina Sanders
Im Jahr 1978 entstand das erste Frauenhaus in Wien. - © fotolia/Gina Sanders

Wien. Die 1970er Jahre waren ein bedeutendes Jahrzehnt für Frauenrechte. Im Jahr 1975 wurde die Fristenlösung, sprich die Möglichkeit der Abtreibung bis zu einer bestimmten Woche, erlaubt. Und 1978 entstand in Wien das erste Frauenhaus, wo Frauen, die von ihren Männern geschlagen wurden, hinflüchten konnten.

40 Jahre ist es also her und für den Verein Wiener Frauenhäuser ein guter Grund, um zu feiern und auf die aktuelle Situation hinzuweisen. Gemeinsam mit Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) präsentierten die Vereinsvorsitzende Martina Ludwig-Faymann und die Geschäftsführerin, Andrea Brem am Donnerstag die Lage von damals und heute.

"Damals war das erste Frauenhaus eine größere Wohnung", erinnert sich Ludwig-Faymann. Namen wie Johanna Dohnal, damals SPÖ-Gemeinderätin, oder Christian Broda, damals Justizminister, fielen. Sie hätten maßgeblich zum Erfolg beigetragen. "Wir haben seitdem sicher viele Frauenleben gerettet", so Frauenberger.

Heute gibt es vier große Frauenhäuser in Wien. Die Adressen werden "selbstverständlich" nicht bekanntgegeben. Rund 175 Frauen und ihre Kinder können dort rund um die Uhr untergebracht werden. "Es wird niemand abgewiesen", so Brem. Darüber hinaus gibt es 54 Übergangswohnungen.

2017 wurden 624 Frauen und 640 Kinder von den rund 100 Mitarbeitern betreut. "Manchmal sagen wir, wir sind schon mehr Kinder als Frauen", so Ludwig-Faymann. Im Vergleich dazu, waren es im Jahr 1997, also zur Halbzeit, 390 Frauen mit 419 Kindern. Die Anzahl der Frauen und der Kontakte seien enorm angestiegen.

"Ausruhen sollten wir uns aber nicht, denn der Backlash hinsichtlich scheinbar bereits erkämpfter Rechte für Frauen ist gerade wieder sehr merkbar", so Brem. Die gemeinsame Obsorge etwa habe nicht nur Gutes gebracht. Es komme vor, dass der Vater gewalttätig ist und trotzdem die Kinder bekommt. Brem will auf jeden Fall eines bleiben: lästig - "und das auch die nächsten 40 Jahre", sagte sie. Mit einer Ausstellung im April im Volkskundemuseum soll die Geschichte der Frauenhäuser noch einmal aufleben.