Wien. Sie war Österreichs berühmteste Flüchtlingshelferin. Am Freitag verstarb die 75-jährige Ute Bock im nach ihr benannten Ute-Bock-Haus. Sie starb im Kreise ihrer Schützlinge, teilte die von ihr gegründete Initiative in einer Aussendung mit: "Jetzt, da sie nicht mehr bei uns ist, gilt es die Arbeit von Frau Bock fortzuführen."

Jahrelang hatte sich die pensionierte Erzieherin kompromisslos und ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit für Flüchtlinge eingesetzt, butterte Gehalt bzw. Pension und Spendengelder in deren Unterbringung. Für Linke wurde sie damit zur Schutzmadonna der Gestrandeten, für Rechte und manchen Anrainer dagegen zu einer Art Gottseibeiuns.

Mit ihren Wohnprojekten bot sie über Jahre Tausenden Menschen in Not eine Unterkunft. Und der Flüchtlingsverein Ute Bock war für viele geflüchtete Menschen eine Anlaufstelle. Bis zur letzten Sekunde habe sich ihr ganzes Denken und Handeln um das Wohlergehen geflüchteter Menschen gedreht, hieß es. Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sei man gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je. "Tugenden wie Zivilcourage, Solidarität und Menschlichkeit hat uns Frau Bock Zeit ihres Lebens gelehrt", hieß es: "Ohne viele Worte hat sie einfach gehandelt, sich selbst hat sie dabei nie geschont."

Leben im Zeichen der Hilfe

Ihr Einsatz machte sie sogar zum Doku-Filmstar, es wurde ihr eine Biografie gewidmet, und sie erhielt zahlreiche Ehrungen von Renner- bis Kreisky-Preis. Geboren am 27. Juni 1942 in Linz, begann sie nach der Matura in einem Heim für schwer erziehbare Sonderschüler in Biedermannsdorf zu arbeiten. Der nächste Weg führte sie nach Wien-Favoriten, in die Zohmanngasse, bis heute ein symbolträchtiger Ort für Bock-Freunde wie Gegner.

Dort stand in den 1970er-Jahren ein Gesellenheim, Bock kümmerte sich dort zunehmend um Fälle aus schwierigen sozialen Verhältnissen. 1976 wurde sie Leiterin der Einrichtung. In den 1990er-Jahren wandelte sich das vormalige Gesellenheim immer mehr in ein Quartier für junge Zuwanderer, zunächst aus dem Jugoslawien-Krieg, später auch für viele Schwarzafrikaner.

Umstrittene Polizeiaktion "Operation Spring"

Letztere Gruppe war es auch, die Bock immer wieder Probleme mit Anrainern einbrachte, die sich an der recht großen Afrikaner-Kolonie mitten in Favoriten stießen. 1999 dann der Tiefpunkt im Bock'schen Wirken: Bei der nicht unumstrittenen Polizeiaktion "Operation Spring" wurde "die Zohmanngasse" Ziel einer Razzia, bei der etwa 30 Afrikaner unter Verdacht des Drogenhandels festgenommen wurden.