Der Streit um den Heumarkt geht weiter: ... - © apa/Weinfeld und Murr
Der Streit um den Heumarkt geht weiter: ... - © apa/Weinfeld und Murr

Wien. Alter Streit, neue Akteure. Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) haben sich am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in die Debatte rund um das geplante Hochhaus am Wiener Heumarkt eingeschalten. Man wolle mit allen (rechtlichen) Mitteln versuchen, den Weltkulturerbestatus für Wien zu erhalten, so der Tenor der zwei Regierungspolitiker. Es wäre ein "riesiger Schaden für Wien", wenn der Innenstadt der Welterbestatus aberkannt werde, sagte Strache.

Im Juli 2017 war das historische Zentrum Wiens von der Unesco auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt worden. Bisher waren davon nahezu nur Stätten, die von Kriegen oder Naturkatastrophen gefährdet sind, betroffen. Die Unesco stößt sich am Volumen, der Höhe und der Dichte des geplanten Baues. Das architektonische Konzept passe nicht zum Standort. Nun droht die Aberkennung des Welterbestatus. Die "Wiener Zeitung" analysiert die Causa.

Was plant die Bundesregierung?

Die Bundesregierung - der Vertragspartner der Unesco - hatte bis zum 1. Februar Zeit, der Uno-Sonderorganisation ihren alljährlichen Bericht zum Erhalt der Welterbestätten zu übermitteln. Darin musste sie auf das Heumarkt-Projekt eingehen. Bisher sei dieser Bericht immer nur auf Basis der Informationen der Stadt Wien erstellt und vom Bundeskanzleramt durchgewunken worden, sagte Blümel.

Nun gebe es erstmals konkrete Maßnahmen. Im März werde ein Workshop mit unabhängigen Experten stattfinden. Zudem sollen im Frühherbst die Auswirkungen auf das Weltkulturerbe in einer "Advisory Mission" untersucht werden, so Blümel. Er hofft auf einen Kompromiss. "Wir gehen jetzt einmal den Weg des Dialogs und hoffen, dass das von Erfolg gekrönt ist", so Blümel.

Die FPÖ überlegt auch rechtliche Schritte. So könnte sie etwa den Flächenwidmungsplan der Stadt Wien zum Heumarkt-Areal beim Verfassungsgerichtshof prüfen lassen.

Wie geht es in der Causa weiter?

Die Unesco hat den Bericht erhalten und wird ihn nun zur Kommentierung an Icomos übermitteln. Icomos ist eine internationale Nichtregierungsorganisation für Denkmalpflege mit Sitz in Paris. Sie berät die Unesco in Fragen des Denkmalschutzes.

Wilfried Posch, der Vizepräsident des Österreichischen Nationalkomitees von Icomos, hatte sich in einem "Wiener Zeitung"-Interview zuletzt äußerst kritisch über den Umgang der Stadt Wien mit dem Weltkulturerbe geäußert. Strache zitierte bei der Pressekonferenz am Donnerstag Passagen aus dem Interview.

Auf Basis des Berichts und der Kommentierung wird die Unesco auf der nächsten Welterbe-Komiteesitzung in Manama in Bahrain Ende Juni/Anfang Juli 2018 über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Blümel glaubt nicht, dass Wien bereits bei dieser Sitzung der Welterbestatus entzogen werden könnte. Bisher sei noch keiner Stätte im ersten Jahr, nachdem sie auf die Rote Liste gekommen ist, der Welterbestatus aberkannt worden.

Was hält die Unesco vom Strache/Blümel-Vorstoß?

"Wir sehen das als positiven Schritt. Aber es müssen Taten folgen. Ankündigungen alleine werden nicht genügen", sagte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission, zur "Wiener Zeitung". Die Stellungnahme sei zu begrüßen.

Eschig meinte allerdings auch: "Der Bericht hätte ja schon konkrete Schritte enthalten sollen." Man sei davon ausgegangen, dass - seitdem man Wien auf die Rote Liste gesetzt habe - die Forderungen der Unesco schon umgesetzt worden seien.

"Man wird aber nicht vorschnell Entscheidungen treffen", so Eschig. Österreich werde bis zur Unesco-Sitzung im Juni wieder Vertrauen herstellen müssen: "All das, was noch eine positive Entwicklung in Aussicht stellt, wird von uns begrüßt." Konkret werde es nicht reichen, den Turm - er soll 66 Meter hoch werden - auf die geforderten 43 Meter zu kürzen. "Es muss das Gesamtkonzept verändert werden."

Wiens Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou kritisierte Blümel und Strache. Die Politiker würden nur vom Nazi-Liederbuch-Skandal ablenken wollen. Die Stadt Wien komme allen Informationswünschen der Unesco akribisch nach. Bereits im März werde man mit einer Delegation von Unesco-Experten in Wien offene Fragen klären, so Vassilakou.