Wien. Ein seltenes Bild: Die Stadt Wien, Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung arbeiten gemeinsam, um in der Stadt mehr Menschen in Aus- und Weiterbildung zu bringen. Und das vor dem Hintergrund angeblich geplanter Einsparungen der Bundesregierung in diesem Bereich.

Wie Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, Sozialstadträtin Sandra Frauenberger, Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky, Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske, ÖGB-Präsident Erich Foglar, Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck und der Chef der Chef der Wiener Industriellenvereinigung Wolfgang Hesoun am Dienstag gemeinsam bekanntgaben, soll der Qualifikationsplan Wien bis 2030 verlängert werden. Er soll laut Brauner eine "Richtschnur" dafür sein, die Chancen aller Menschen auf verfügbare und neu entstehende Jobs zu verbessern und gleichzeitig den Fachkräftebedarf der Wirtschaft abzudecken". Heißt: Finanzielle Unterstützung für Menschen, die ihren Lehrabschluss nachholen oder eine Zusatzausbildung absolvieren möchten.

Rückläufige Jobangebote für schlecht qualifizierte Menschen


"So unterschiedlich unsere Positionen auch bei anderen Themen sind, wir alle sind uns darüber einig, dass wir für alle Menschen in dieser Stadt eine möglichst gute Ausbildung brauchen", betonte Brauner. Denn der Wirtschaft gehe es zwar gut und die Beschäftigung werde laut Prognosen bis 2013 um 10 Prozent wachsen. Das bedeute aber auch, dass die Qualifikationsziele mitziehen müssen, meinte Brauner. "Das Problem ist nur, dass für Menschen, die keine Qualifikation haben, das Jobangebot zurückgeht." Hier knüpfte Frauenberger in ihrer Funktion als Sozialstadträtin für ihren Zuständigkeitsbereich an: "Das Sprungtuch aus dem sozialen Netz der Mindestsicherung hinein in den Arbeitsmarkt heißt Qualifikation."

Auch AK-Präsident Kaske meinte, dass Qualifikation eine "Schutzimpfung für die Zukunft" sei. Aber ebenso wie manche seine Mitstreiter betonte er auch in Richtung Bundesregierung, dass solche Maßnahmen finanziell abgesichert werden müssten, denn: "Ohne Geld ka Musi".

"Mehrere hundert Ausbildungsplätze weniger"


Aktuellen Medienberichten zufolge plant die Regierung nämlich, im Bereich des Arbeitsmarktservices rund 9 Prozent einzusparen. Das wären bundesweit rund 38 Millionen Euro weniger für das Arbeitsmarktservice. Auf die Frage der "Wiener Zeitung", was das konkret für Wien bedeuten würde, antwortete Kaske: "Mehrere hundert Ausbildungsplätze weniger." Immerhin hat das AMS im vergangenen Jahr allein für die überbetrieblichen Lehrstellenplätze 70 Millionen Euro in Wien ausgegeben, erläuterte Fritz Meißl, Geschäftsführer Wiener Arbeitnehmer Förderungsfonds. In ganz Österreich waren es 163 Millionen Euro. Kompensieren könne das die Stadt jedenfalls nicht, betonte Brauner. "Es ist sicher nicht möglich, dass die einen sparen und die anderen zahlen."

Bildungsstadtrat Czernohorszky nutzte die Gelegenheit, um an die Bundesregierung zu appellieren, die Gelder für Integrationsmaßnahmen nicht zu kürzen. Denn auch die Sprachförderung erhöhe die Chancen, einen Job zu bekommen, so Czernohorszky.

Dass die Regierung angeblich bundesweit 600 Millionen Euro vom gesamten Förderbudget einsparen will, kann ÖGB-Chef Foglar ohnehin nicht nachvollziehen. Vor allem stößt er sich an der Argumentation: Weil es Wirtschaftswachstum gibt, kann man auf Förderungen verzichten. "Falscher kann man es gar nicht verstehen", meint Foglar. "Gerade jetzt schreit die Wirtschaft nach Arbeitskräften. Und gerade jetzt muss man dafür sorgen, dass sie diese bekommt."

"Keine Einsparungen
beim AMS geplant"


Zwar gingen die türkisen Vertreter am Podium nicht direkt auf die angeblichen Kürzungen ein, stießen aber dennoch ins selbe Horn: "Die Wirtschaft brummt, aber sie könnte noch mehr brummen. Jetzt geht es darum, die geschaffenen Arbeitsplätze mit Qualifizierung zu füllen", so Wirtschaftskammerpräsident Ruck. Und auch IV-Chef Hesoun erklärte: "Selbst in einer Hochkonjunktur ist jemand, der nicht qualifiziert ist, nicht in der Lage, an diesem Hoch teilzunehmen."

Eine Reaktion von Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) ließ nicht lange auf sich warten: Sie betonte, dass es beim AMS zu keinem Sparkurs bei Facharbeitern kommen soll. "Unser Ziel ist, Qualifizierungsmaßnahmen und damit verbunden die Fachkräfteausbildung zu fördern."