Wien. Das Auto im Mittelpunkt, alles andere kommt danach. Jahrzehnte lang lebten Städte mit dieser Devise. Sie ordneten sich den Fahrzeugen unter, machten Platz für das Verkehrsmittel auf vier Reifen. Häuserfronten wurden abgerissen, Geschwindigkeitsgrenzen hinaufgeschraubt. Nichts sollte dem Symbol für Status, Freiheit, Eigenständigkeit im Weg stehen. Die Schattenseiten des Autowahns wurden ignoriert, im besten Fall schöngeredet.

Doch damit ist es nun vorbei. Die hohe Belastung der Luft durch die Diesel- und Benzinmotoren wurde zu einer Gefahr für die Gesundheit der Menschen, die nicht mehr ignoriert werden kann. Vor allem Kinder und schwächere Personen leiden unter der Luftbelastung. Die von den Autos erzeugten Stickstoffidoxide und Feinstaub erhöhten die Zahl der Todesfälle und Notfälle aufgrund von Atemwegserkrankungen wie Asthma und Bronchitis.

Wie Städte damit umgehen, hat sich die "Wiener Zeitung" in vier Fällen angesehen.

Madrid

Es war ein paar Tage vor Silvester 2016, als sich über Madrid eine Smogwolke bildete, die selbst von überzeugten Diesel- und Benzinfahrern nicht übersehen werden konnte. Ein Hochdruckgebiet hatte dazu geführt, dass sich über der Stadt eine Dunstglocke bildete und erhöhte Werte des Schadstoffs Stickstoffdioxid gemessen wurden. Die Stadtregierung musste handeln. Die Gesundheit der Bürger stand auf dem Spiel. Nachdem der Smogalarm auf die zweithöchste Stufe "3" angehoben wurde, erließ die Stadt ein Fahrverbot für die Hälfte aller Fahrzeuge innerhalb des Autobahnrings M-30. Nur Autos, deren Kfz-Kennzeichen mit einer ungeraden Zahl endeten, durften den Autobahnring passieren. Zudem durften nur Anrainer in der Innenstadt parken. Es waren Maßnahmen der Stadt, die es so in Spanien noch nicht gab.

Als die Werte nach unten gingen, wurden die Einschränkungen wieder aufgehoben. Wenn auch nur vorübergehend. An Tagen hoher Stickoxidbelastung dürfen weiterhin nur halb so viele Autos in die Stadt, mal jene mit gerader Kennzeichennummer, mal jene mit ungerader Kennzeichennummer. Doch damit nicht genug. Seit dem 1. Juni müssen Fahrer von Dieselautos mit Erstzulassung vor 2006 (bei Benzinern vor 2000) in Madrid innerhalb der Ringautobahn fürs Parken 25 Prozent mehr zahlen. Abgasarme Autos zahlen bis zu 50 Prozent weniger, Elektroautos und andere abgasfreie Fahrzeuge parken gratis. Zudem gilt Tempo 30 in allen Einbahnstraßen, dazu Fahrverbote für Altfahrzeuge.