Wien. (rös) "Ich habe mich nach intensiven Überlegungen dazu entschieden, nicht Teil des neuen Regierungsteams sein zu wollen", sagte Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger am Mittwoch in einem schriftlichen Statement. Die 51-jährige Stadträtin war in den vergangenen Monaten immer wieder von der Opposition heftig kritisiert worden. Vor allem im Zusammenhang mit den Turbulenzen rund um das KH- Nord. "Ich habe gezeigt, dass ich vor wichtigen Reformen nicht zurückschrecke, große Projekte erfolgreich umsetzen und dabei auch einiges einstecken kann. In den vergangenen Wochen wurden allerdings Grenzen überschritten", so Frauenberger.

"Fehlende innerfraktionelle Diskretion"

Die Grenzüberschreitung bezieht sich aber nicht auf den Umgang der Boulevard-Medien mit der Stadträtin, wie ein Parteikollege gegenüber der "Wiener Zeitung" am Mittwochnachmittag erklärte. "Die medialen Kampagnen gegen sie war sie ja schon aus Zeiten gewohnt, in denen sie noch Integrationsstadträtin war", sagte der Genosse. "Es war die fehlende innerfraktionelle Diskretion, die sie zu diesem Schritt veranlasst hat", meinte der Insider hinsichtlich des sogenannten Energetiker-Skandals im Krankenhaus Nord. Die Informationen, die an die Medien herangetragen wurden, seien ja nicht von irgendwo hergekommen. "Und wenn dann nicht nur mehr die Person, sondern auch die Sache darunter leidet, macht das alles keinen Sinn mehr", hieß es weiter.

Frauenberger hatte als fixe Ablösekandidatin in Ludwigs neuem Regierungsteam gegolten. Im Zweikampf um die Nachfolge von Michael Häupl als SPÖ- und Stadtchef hatte sie offen den geschäftsführenden Klubobmann im Parlament, Andreas Schieder, unterstützt. Einer Entscheidung Ludwigs ist sie nun zuvorgekommen. Trotzdem sprechen jetzt manche in der Partei von einem "ersten Streich", auf den bald der nächste folgen werde.

Der nächste "Streich" soll bald folgen

Und der soll dem Vernehmen nach Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner heißen. Gegen Frauenberger, Brauner - und Sonja Wehsely - habe es in den vergangenen Jahren immer wieder mediale Kampagnen gegeben. Andererseits würde so ein Vorgehen niemandem helfen, meinen wiederum andere. Denn die Probleme würden bestehen bleiben.

"Bei der bevorstehenden Untersuchungskommission zum KH-Nord steht halt dann der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Frauenberger - und zwar ohne genau die Unterlagen zu kennen - geplant sieht das für mich nicht aus", heißt es aus einer anderen Quelle der Partei. Dennoch wird bereits gerüchteweise ein Name für die Nachfolge Frauenbergers gehandelt: Pamela Rendi-Wagner, die schon während des Nationalratswahlkampfes als Partei-Hoffnung der SPÖ propagiert wurde. Das sei aber ebenso Spekulation wie die Behauptung, dass Wien-Holding-Chef Peter Hanke Renate Brauner beerben soll.

Bis zur Wahl der Nachfolge im Gemeinderat am 24. Mai wolle Frauenberger jedenfalls das Gesundheitsressort "gut und ordentlich" weiterführen und "für eine geordnete Übergabe sorgen", wie sie versprach. Gemeinderätin will sie auch nach ihrem Rückzug als Ressortchefin bleiben.

"Muss vor U-Kommission aussagen"

Frauenberger werde der Rücktritt nicht vor der kürzlich von der rot-grünen Stadtregierung beschlossenen Untersuchungskommission zum Krankenhaus Nord bewahren, meinte FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp in einer Reaktion. Auch die ÖVP verlangte am Mittwoch, dass Frauenberger vor der U-Kommission aussagen müsse. "Die Ludwig-SPÖ ist nun gefordert, die Zeugenladungen und eine umfassende Prüfung durch die Untersuchungskommission nicht zu blockieren", so ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch. Eine Aussage vor dem U-Ausschuss wird aber wohl auch noch Frauenberger-Vorgängerin Sonja Wehsely ereilen.