Wien. Um 7.30 Uhr beginnt Alexanders Arbeitstag in der Modecenterstraße in Erdberg. Er baut Schlagobersflaschen zusammen und verpackt sie. Knappe sieben Paletten pro Tag. "Das sind um die 2000 Stück", erzählt er. Der 24-jährige Wiener ist einer von hundert jungen Mindestsicherungsbezieher, dem im Rahmen des sozial-ökonomischen Projekts "Craft Jobs" ermöglicht wird, in der Arbeitswelt Fuß zufassen. "Ich habe vier Jahre lang nichts gemacht und das ist eine sehr gute Chance für mich. Ich finde es super, dass ich wieder arbeiten kann", sagt Alexander.

Craft Jobs ist eines von 300 Projekten in Wien, das von Brüssel aus kofinanziert wird. Die Europäische Union fördert die Initiative zu 50 Prozent aus dem Europäischen Sozialfonds, die andere Hälfte wird je zu 50 Prozent von der Stadt Wien und dem Arbeitsmarktservice (AMS) unterstützt.

Die Zielgruppe sind Mindestsicherungsbezieher im Alter von 18 bis 24 Jahren. "Eine Gruppe, die im Vorjahr sehr stark gewachsen ist und im Moment ein wenig zurückgeht. In Wien gibt es derzeit 13.000 junge Menschen, die gerade mal den Pflichtschulabschluss haben, wenn überhaupt", erklärt Stefan Brinskele, Geschäftsführer von "Reintegra".

Die 1992 in Wien gegründete gemeinnützige Gesellschaft ist Träger von "Craft Jobs". Im Fokus steht die berufliche Integration psychisch kranker Menschen. Der Großteil der Projektteilnehmer arbeitet bei der Firma Manner, 20 Personen bei einem IT-Recycling-Unternehmen in Liesing und um die 25 junge Menschen in der Modecenterstraße. Dort werden derzeit neben den Schlagobersflaschen auch Fahrschultaschen für eine Marketing-Firma angefertigt sowie 400 gebrauchte E-Bikes für ein Händlernetzwerk technisch aufbereitet.

Vermittlungsquote 32 Prozent

Die Jugendlichen sind für 25 Stunden nach dem Kollektivvertrag angestellt und erhalten im Durchschnitt 150 Euro mehr als die Wiener Mindestsicherung beträgt. Nach zehn Monaten endet das Projekt. "Wir versuchen, die Menschen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Vermittlungsquote beträgt 32 Prozent. Das heißt, jeder Dritte, der ohne Job zu uns reinkommt, geht mit einem Job hinaus", so Brinskele.

Das spannende an dem Projekt für Brinskele sei, dass für die Fördergeber der Return on Investment bei 1,5 Jahren liege. "Das, was die Stadt und der Bund finanzieren, kommt bei unserer Vermittlungsquote nach 1,5 Jahren wieder zurück. Die einzigen, die nichts davon haben, ist der Europäische Sozialfonds", so Stefan Brinskele.