Wien. Am Wiener Landesgericht für Strafsachen startet am Donnerstag der Mordprozess gegen einen jungen Soldaten, der am 9. Oktober 2017 in der Albrechtskaserne einen 20 Jahre alten Rekruten erschossen hat. Bilder wird es von der Verhandlung keine geben. Für den Bereich vor dem Verhandlungssaal und im Saal selbst wurde ein ausnahmsloses Foto- und Filmverbot erlassen.

Das Landesgericht will damit "eine ruhige und sachliche Abwicklung des Verfahrens für alle Parteien gewährleisten", wie Mediensprecherin Christina Salzborn am Dienstag erläuterte. Zuletzt war es bei Schwurverhandlungen wiederholt zu unschönen Szenen gekommen. Kameramänner waren nach dem Aufruf zur Sache oftmals erst auf mehrfache, nachdrückliche Aufforderung hin zum Verlassen des Saales zu bewegen. Ein Verteidiger bestellte für einen nichtöffentlichen Termin sogar einen Fotografen vor ein Richterzimmer. Auch sollen tumultartige Szene, die es unmittelbar vor dem Beginn medienwirksamer Verhandlungen gegeben hatte, unterbunden werden.

Der 22-jährige Angeklagte und sein Anwalt Manfred Arbacher-Stöger wollen beweisen, dass keine vorsätzliche Tötung, sondern ein Schießunfall vorliegt. Der Schuss war im Ruheraum eines Wachcontainers gefallen, wo der 20-Jährige auf einer Pritsche schlief. Der Angeklagte behauptet, er habe seinen Kameraden wecken wollen. Er habe sich am Abzug seines Sturmgewehrs StG 77 festgehalten und sei gestolpert, woraufhin sich ein Schuss gelöst habe. Das Projektil drang dem 20-Jährigen in den Kopf, er starb an einer Hirnlähmung.

Die Anklage stützt ihren Mordvorwurf auf die widersprüchlichen Angaben des jungen Mannes im Ermittlungsverfahren, die belastenden Angaben von zwei Zeugen und auf die Ergebnisse eines Schießgutachtens, das sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft mit der Version des Angeklagten nicht in Einklang bringen lässt.