Wien. Der Wiener Landstagspräsident Ernst Woller (SPÖ) ist optimistisch. "Wien wird sein Weltkulturerbe behalten", ist er überzeugt. Bereits bei den nächsten zwei Sitzungen des Unesco-Welterbekomitees 2019 oder 2020 könnte das historische Zentrum von Wien von der Roten Liste der gefährdeten Stätten gestrichen werden: "Ich glaube nicht, dass es länger dauern kann", meint Woller, der im Auftrag von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) für die Stadt Wien mit der Unesco verhandelt.

Ein Grund für Wollers Zuversicht ist ein Treffen, das diese Woche in Wien stattgefunden hat. Die Direktorin des Unesco-Welterbezentrums, Mechtild Rössler, war am Montag zu Gast in Wien. Gemeinsam sei man die betroffenen Areale am Heumarkt und Karlsplatz abgegangen. Formal habe sich dadurch noch nichts geändert, aber: "Das Verhältnis ist jetzt viel besser", sagt Woller.

"Wir sind zuversichtlich"


Rössler bestätigt gegenüber der "Wiener Zeitung", dass das informelle Treffen stattgefunden hat. Zu Details will sie sich nicht äußern. "Ich gebe keine persönliche Meinung ab. Das Welterbekomitee trifft die Entscheidungen."

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Isabelle Anatole-Gabriel. Sie leitet im Welterbezentrum die Abteilung für Europa und Nordamerika. "Wir sind zuversichtlich hinsichtlich des laufenden Prozesses", sagt sie. Eine Stätte werde dann von der Welterbeliste genommen, wenn sie ihren außergewöhnlichen universellen Wert verliere. "Die Charakteristiken, wegen denen die Stätte auf die Liste gekommen sind, müssen verloren gegangen sein", erklärt Anatole-Gabriel.

Erst dann könne das Welterbekomitee den Welterbestatus aberkennen. Das sei ein langer Prozess und derzeit "nicht der Fall für das historische Zentrum von Wien". Die Republik und Stadtverwaltung seien in einen engen Dialog mit dem Welterbezentrum und der Icomos - sie berät die Unesco - getreten, um die notwendigen Korrektivmaßnahmen vorzubereiten. Sobald diese ergriffen und vom Welterbekomitee abgesegnet worden seien, "sollte die Stätte von der Gefahrenliste herunterkommen".

"Es ist nicht schwarz und weiß"


Was sind nun die notwendigen Maßnahmen, was wird gefordert? Wie verhält es sich mit dem Heumarkt-Projekt, das der Hauptgrund für die Eintragung von Wien auf die Rote Liste war? Muss die Höhe des geplanten 66 Meter hohen Turmes nun reduziert werden? Bezüglich dieser Fragen bleiben Unklarheiten offen.

"Es ist nicht nur eine Frage der Höhe, sondern auch eine der Raumplanung und des Volumens. Es ist kompliziert und nicht nur schwarz und weiß", antwortet Anatole-Gabriel. Auch gehe es nicht nur um den Heumarkt. Im Fokus steht etwa auch die Aufstockung des Winterthur-Hauses am Karlsplatz. Auf weitere Nachfragen verweist sie auf die offiziellen Beschlüsse der vergangenen Sitzungen des Welterbekomitees.