Maria Vassilakou wird wohl nicht mehr antreten. - © apa/Georg Hochmuth
Maria Vassilakou wird wohl nicht mehr antreten. - © apa/Georg Hochmuth

Wien. (apa/dab) Die heiße Phase beginnt: Das Rennen um die künftige Nummer eins der Wiener Grünen ist am Montag offiziell gestartet. In dem Auswahlverfahren wird entschieden, wer bei der Wien-Wahl 2020 für die Regierungspartei Spitzenkandidat wird. Wie die "Wiener Zeitung" bereits ausführlich berichtete, deutet derzeit alles auf einen Zweikampf zwischen Gemeinderat Peter Kraus und Klubobmann David Ellensohn hin.

Nun werden auch formell die Weichen gelegt, Kraus kündigte am Sonntag seine Kandidatur an. "Ich kandidiere, weil Wien meine große Liebe ist", gab Kraus - seit 2015 im Stadtparlament und zuvor Büroleiter von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou - über seinen Blog bekannt.

"Wir waren lange genug in Schockstarre. Der Vormarsch der Rechtskonservativen ist kein Naturgesetz. Die sind schlagbar. Aber wir können nicht mehr warten. Denn es gibt niemanden, der es für uns richten wird. Wir sind die, auf die wir gewartet haben", erklärte Kraus. Der 31-jährige Volkswirt ist als Sprecher der Grünen Andersrum auch in der lesbisch-schwulen Community engagiert. Am Dienstagabend hat er Freunde und Wegbegleiter ins Akademietheater geladen, um dort gewissermaßen offiziell seine Kampagne zu starten.

Zeichen stehen auf
Vassilakous Abschied

Die Frage, ob Vassilakou selbst noch einmal in den Ring steigt, ist nach wie vor offen. Sie hat sich bisher nicht dazu geäußert. Derzeit stehen die Zeichen aber eher auf Abschied, parteiintern wird nicht mit ihrer Kandidatur gerechnet. Kraus ist ein enger Vertrauter von Vassilakou, er würde wohl kaum gegen sie antreten. Denn das könnte den Flügel rund um Vassilakou spalten und den vermutlichen Gegner von Kraus, David Ellensohn, stärken.

Der Antritt des Klubchefs gilt als relativ fix. Ellensohn hat sich bis dato allerdings ebenfalls noch nicht deklariert. Dem Vernehmen nach soll sich das noch im Lauf dieser Woche ändern.

Interesse wurde auch Landessprecher Joachim Kovacs nachgesagt. Er hat am Sonntag aber seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Unter anderem kritisierte er die Reaktion der Partei auf die Niederlage bei der Nationalratswahl im Oktober 2017: "Der Glaube an einen ehrlichen Neuanfang ist bei mir nicht angekommen. Und weiterwurschtln wie bisher ist für mich keine Option. Ich habe daher für mich entschieden, dass hier meine grüne Reise endet." Damit müssen die Wiener Grünen bei der Landesversammlung, die im November oder Dezember stattfindet, einen neuen Landessprecher wählen.

Neuer Modus kommt
zur Anwendung

Bisher wurde bei solchen Landesversammlungen von den Delegierten auch immer der Spitzenkandidat der Grünen gewählt. Bei dieser Wahl kommt aber ein neuer Modus zur Anwendung: Bewerber können sich ab sofort und bis zum 4. September auf der Website spitzenwahl.wien registrieren. Willkommen sind dabei auch Personen, die nicht Parteimitglieder sind oder über ein grünes Mandat verfügen. Nach der Registrierung müssen die Kandidaten Unterstützungserklärungen sammeln und sich in weiterer Folge öffentlichen Hearings stellen. Gewählt wird dann brieflich im November.